Durch’s Hinterland nach Bogotá

Nach einer laaaangen Busfahrt (13 Stunden) kamen wir etwas später als erwartet und durchgefroren in San Gil an. Die Erfahrung zeigt, dass die Busfahrten hier länger dauern als angesagt; und die Busse sind gnadenlos herunter gekühlt (und niemand weiss warum). San Gil ist der Abenteuer-Sport-Ort Nummer eins hier, also sozusagen das Interlaken von Kolumbien. In San Gil feierten wir André’s Geburtstag bei einem einfachen Nachtessen in einem kolumbianischen Restaurant.

Trotz eher schlechten Wetteraussichten machten wir uns am darauffolgenden Tag auf den Weg nach Barichara, einem kleinen Dorf in den Bergen mit schönen Häusern im Kolonialstil. Wir sind durch die Gassen geschlendert und haben vor einer Schule mitverfolgt, wie die Lehrer bei den Kleinen eine Schuluniform-Kontrolle durchgeführt haben. Da wurde bis auf Socken, Unterleibchen und Unterhosen alles geprüft. Bei uns unvorstellbar, dass die Lehrer den Schülern die Hosen runterziehen, und das vor allen Mitschülern auf dem Trottoir vor der Schule! Wir gingen dann zu Fuss dem Camino Real (alter Saumpfad) entlang bis nach Guane. Das ist ein noch verschlafeneres und kleineres Kolonial-Dörfchen als Barichara. Das Wetter blieb auch gut, erst abends in San Gil hat es wieder geregnet.

André hat sich nach langem hin und her entschieden, doch eine Downhill-Bike-Tour zu machen. Die Tour ging morgens früh los, wieder Richtung Barichara. Von da haben sie eine Abf ahrt gemacht, wurden mit dem Jeep auf der anderen Seite des Canyons wieder hoch gefahren und dann ging’s nochmals viele Höhenmeter runter. Wegen Stürzen und Magenverstimmungen konnten nicht alle Teilnehmer bis zum Ende mithalten und so haben am Schluss der kolumbianische Guide (ein Downhill-Fahrer), ein Belgier und André ein rasante Abfahrt bestritten. Er hatte Spass, doch leider wurde viel auf Schotterwegen und nur wenig auf Singletrails gefahren.

Wir hätten noch viel in San Gil machen können doch das Wetter war schwierig und so fuhren wir weiter nach Villa de Leyva, einem Ort drei Stunden vor Bogota. Beim Umsteigen in Tunja goss es aus Kübeln, je weiter hoch wir jedoch fuhren desto besser wurde das Wetter. Villa de Leyva ist ein weiterer Ort mit Koloniastil-Bauten, Strassen mit Pflastersteinen und vor allem mit einem riesigen Platz vor der Kirche. Wir wollten am nächsten Morgen eigentlich Fahrräder mieten aber meine Verhandlungsversuche gingen leider schief und das Taxi war schlussendlich viel günstiger als zwei Fahrräder. Dann halt auf die faule Tour… Wir haben 11km ausserhalb das Weingut Ain Karim (Marques de Villa de Leyva) besucht. Nach monatelanger Wein-Abstinenz wollten wir uns das natürlich nicht entgehen lassen. Ein Kolumbianer hat in den USA und der Schweiz studiert und dann zu Hause die beste Region auserkoren, um Sauvignon Blanc, Merlot und Cabernet Sauvignon anzupflanzen. Wann trinkt man schon Wein aus den Tropen. Und der Wein schmeckte überraschend gut (ausser der Merlot). Auf dem Rückweg ins Dorf haben wir uns noch eine Dinosaurier-Versteinerung (Kronosaurus) und Ammoniten angeschaut.

Dann wurde es Zeit, Richtung Bogotá aufzubrechen. Gaston, ein ehemaliger Alstom-Kollege ist Kolumbianer und wohnt in der Hauptstadt. Er hat uns angeboten, dass wir bei ihm wohnen können und so wurden wir in den nächsten Tagen sehr umsorgt und wohnten sehr schön in einem grossen Zimmer mit eigenem Bad. Danke Gaston!!! Bogotá ist riesig, die Stadt hat gleich viele Einwohner wie die ganze Schweiz und befindet sich auf 2’640 MüM – praktisch der gleichen Höhe wie das Faulhorn. Ein Tag sind wir durch die Altstadt gelaufen, und auf dem Weg dahin ungewollt im Rotlichtmileu gelandet; wir haben’s schadlos überstanden, uns aber Mühe gegeben möglichst schnell da raus zu kommen. Im Goldmuseum bestaunten wir die handwerklichen Künste und das viele Gold der indigenen Bevölkerung. Einmal haben wir einen Ausflug nach Zipaquirá gemacht. Dort gibt es eine Kathedrale aus Salz, in einem Salz-Bergwerk. Die Führung ging etwas lang aber die Kathedrale war sehr eindrücklich und die Kreuze und Engel wirkten dank der Beleuchtung sehr schön. Abends hatten wir uns im wohl berühmtesten Restaurant von Bogotá – Andres Carne de Res – verabredet. Dessen Geschichte begann vor Jahren in einem Bus ausserhalb der Stadt, heute ist es Nr. 49 auf der Liste der besten Restaurants Südamerikas. Wir trafen Gaston und auch Manuel und Juliana – die beiden haben wir am Carnaval in Barranquilla kennengelernt – kamen auf einen Drink vorbei. An unserem letzten Tag in der Hauptstadt fuhren wir mit der Seilbahn aus dem Jahre 1955 von Brown Boveri Baden auf den Berg Montserrate, auf 3’152 MüM. Von dort hat man eine schöne Aussicht auf die unendliche Weite der Stadt. Acht Millionen Einwohner brauchen Platz. Wir hatten vor, um 21:00 Uhr mit dem Nachtbus in die Kaffeeregion aufzubrechen. Dass es am Freitag Abend unmöglich ist, ein Taxi zu kriegen, wussten wir nicht. Dass es auch fast aussichtslos ist, während den Stosszeiten mit dem Nahverkehrsbus zu fahren, wussten wir auch nicht. Irgendwann haben wir es doch geschafft, uns mit den grossen Rucksäcken in den Bus zu zwängen. Den 21:00 Uhr-Nachtbus haben wir knapp verpasst aber es gab ja eine Stunden später auch noch einen…

5 Comments

  • Santina 2. April 2017 at 18:23

    I looooove your caps !!!

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  • carlos 3. April 2017 at 1:15

    super Blog ich lese deinen Abenteuer in Kolumbien , Viel Spass

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  • Doris 3. April 2017 at 8:00

    So viele neue Eindrücke…. wunderschöne Fotos. Weiterhin gute Reise

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  • Marcel 3. April 2017 at 8:08

    Das liest sich ja interessant und man wäre am liebsten mit dabei!

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  • Melanie Maurer 5. April 2017 at 15:47

    Danke euch allen!
    @Paps: nur noch ca 150 Tage dann seid ihr live dabei 😉

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