Edel-Kakao aus Ecuador

Ein Thema, über das ich als Schoggi-Liebhaber natürlich mit Herzblut schreibe. Die Schokolade aus Ecuador ist so speziell, dass sie einen eigenen Blog-Beitrag erhält.

Zu Hause verging kaum ein Tag ohne Schokolade. Sei es das Comella am Bahnhof, das Ragusa aus dem Selecta-Automat im Büro, einer Tafel Schoggi zu Hause oder einem Moelleux zum Dessert im Restaurant. So habe ich sicher mit beigetragen, dass die Schweizer mit 11 kg pro-Kopf-Jahreskonsum die Rangliste anführen. Mein Schoggi-Konsum hat sich in den letzten Monaten stark reduziert – bis wir in Ecuador angekommen sind.

Die Schweiz ist bekannt für ihre Schokolade. Ihre Schokolade? Wie kann das sein, wenn in der Schweiz gar keine Kakao-Pflanzen wachsen? Schon interessant, dass hier beim neuen strengen Swissness-Gesetz mehr als ein Auge zugedrückt wird. Mit der Conche haben die Schweizer vor 138 Jahren zwar einen wichtigen Beitrag zur guten Schoggi geleistet und die Schweizer Produzenten geniessen immer noch einen guten Ruf. Inzwischen müssen wir aber neidisch anerkennen, dass es auch in anderen Ländern gute Produzenten gibt. Der ecuadorianische Produzent Pacari hat in den letzten weltweiten Schokolade-Wettbewerben zum Beispiel viele Auszeichnungen gewonnen. Die Schweiz ist dort kaum vertreten. Müssen wir uns um die Schoggination Schweiz Sorgen machen? Nein, die meisten Ausländer, welche wir treffen verbinden die Schweiz immer noch mit Schokolade. Bei der Milchschoggi bleiben meines Erachtens die Produkte von Lindt oder Cailler auch unerreicht. Zumindest bei der weissen Schoggi haben das auch die Ecuadorianer erkannt. Praktisch in jedem Laden kann man die Galak von Nestlé kaufen.

Du hast noch nie ecuadorianische Schokolade gegessen? Gut möglich, denn Mengenmässig spielt sie in der weltweiten Kakaoproduktion eine geringe Rolle. Dafür bei der Qualität. Beim Kakao wird zwischen Konsumkakao und Edelkakao unterschieden. Nur ca. 5% aller  weltweit produzierten Kakao-Bohnen gehören zu Edelkakaosorten. Zu den Edelkakaosorten gehört unter anderem die in Ecuador endemische Arriba (die in Ecuador auch Nacional heisst). 75% aller in Ecuador produzierter Cacao gehört zu Edelkakao. Zudem ist Ecuador zusammen mit Trinidad & Tobago der grösste Edelkakao-Produzent. Dieser Edelkakao ist so wertvoll und teuer (ca. 3 USD für eine Tafel hier in Ecuador), dass es sich die Einheimischen kaum leisten können. Die meisten Kakao-Produkte (Bohnen oder Schokolade) werden exportiert (Kakao ist Exportgut Nr. 12 von Ecuador). Zumindest wurde der Arriba-Kakao in Ecuador durch einen Schweizer entdeckt.

Die Kakao-Produzenten stellen nicht nur Kakaobohnen zum Export her, sondern verarbeiten sie teilweise auch selber und das sehr erfolgreich.

Schokolade-Tasting

Wir haben die Chance genutzt und diverse ecuadorianische Schokolade gekauft und degustiert – was für ein Schoggijob!

Hier unsere Bewertung – wie man sieht sind die Geschmäcker unterschiedlich:

Reine Schokolade

ec-food-cacao-7 PACARI ESMERALDAS 60% CACAO SINGLE REGION FINE CHOCOLATE

  • Schmilzt schön auf der Zunge
  • Intensiver Kakao-Geschmack
  • Melanie : Noten von blumig und roten Früchten
  • André: Spannend abwechselnde Geschmäcker, nicht einfach zu identifizieren, würzig
  • Bewertung Melanie: 1 Bohnen
  • Bewertung André: 4 Bohnen
ec-food-cacao-8 PACARI RAW ORGANIC CHOCOLATE 70% CACAO

  • Intensive Röstaromen und leichter Kaffeegeschmack, ziemlich bitter
  • Bewertung Melanie: 6 Bohnen Favorit (overall)
  • Bewertung André: 2 Bohnen
ec-food-cacao-9 PACARI PIURA QUEMAZÓN 70% CACAO SINGLE REGION FINE CHOCOLATE

  • Trotz hohem Cacao-Anteil sehr süss, und gering bitter
  • Geschmack kommt der frischen Kakao-Bohne am nächsten
  • Melanie: Noten von verbranntem Caramel, zu süss
  • Bewertung Melanie: 2.5 Bohnen
  • Bewertung André: 5.5 Bohnen
ec-food-cacao-10 KALLARI ORGANIC 75% CACAO

  • Trotz hohem Cacao-Anteil schön süss, und gering bitter
  • Geschmack kommt der frischen Kakao-Bohne am nächsten
  • Bewertung Melanie: 4 Bohnen
  • Bewertung André: 5.5 Bohnen
ec-food-cacao-11 Caoni CACAO ARRIBA ECUADOR FINE MILK CHOCOLATE

  • Schmeckt wie Schokolade die schon heiss und wieder erkaltet war.
  • Bewertung Melanie:  1 Bohnen
  • Bewertung André:  2 Bohnen

 

Kräuter

ec-food-cacao-13 PACARI ANDEAN MINT

  • Feine ausgewogene Kombination aus Kakao und Minze
  • Erinnert an marokkanische Minze
  • Erfrischend und langanhaltend (abwechselnd)
  • Bewertung Melanie: 6 Bohnen
  • Bewertung André: 6 Bohnen
ec-food-cacao-14 PACARI LEMON VERBENA

  • Zitronenstrauch – Verveine
  • Relativ starker lang anhaltender Geschmack von Verveine
  • Bewertung Melanie: 5 Bohnen
  • Bewertung André: 4.5 Bohnen
ec-food-cacao-15 PACARI LEMONGRAS

  • Wir lieben Zitronengras aber von dieser Schokolade sind wir eher enttäuscht
  • eher künstlicher Geschmack, zuerst Kräuter, dann zitronig (langanhaltend)
  • Bewertung Melanie: 3.5 Bohnen
  • Bewertung André: 3 Bohnen
ec-food-cacao-16 PACARI GUAYUSA

  • Kakao eher körnig
  • gibt pelzige Zunge (mehr Bitterstoffe)
  • Guyusa (Stechpalme) aus Amazonas für uns unbekannt und schwer zu identifizieren
  • Melanie: Erinnert an Himbeerblättertee
  • Bewertung Melanie: 3.5 Bohnen
  • Bewertung André: 4 Bohnen
ec-food-cacao-18 KALLARI SACHA 71% CACAO Chococlate Negro con Jengibre (Ingwer) y Sal Andina

  • Salzstücke spürbar beim Verbeissen (crunchy), aber nicht im Geschmack
  • Milder bis ausgewogener Ingwergeschmack, der relativ langanhaltend ist. Wenig schärfe vom Ingwer spürbar.
  • Bewertung Melanie: 4 Bohnen
  • Bewertung André: 5 Bohnen
ec-food-cacao-19 KALLARI SACHA 61% CACAO Chococlate Negro con Hierba Luisa (Zitronengras)

  • schön cremige Konsistenz, schmilzt schön auf der Zunge
  • Zitronengras kommt eher spät im Abgang hervor und schmeckt nicht typisch
  • Bewertung Melanie: 2 Bohnen
  • Bewertung André: 4 Bohnen

 

Fruchtig

ec-food-cacao-21 PACARI PASSION FRUIT

  • Leichte Säure, welche sich aber schön mit der Schokolade verbindet (Kombination von Bitterkeit, Säure, Süsse)
  • Bewertung Melanie: 2 Bohnen
  • Bewertung André: 5 Bohnen
Version 3 PACARI BANANAS (CUBIERTAS DE CHOCOLATE)

  • Bananengeschmack sehr stark nach getrockneter Banane, was etwas enttäuschend ist (erinnert André an Bananen-Gas-Schuma-Test im Militär)
  • In Verbindung mit Natur-Joghurt und Müesli besser
  • Bewertung Melanie: 2 Bohnen
  • Bewertung André: 2 Bohnen
Version 2 PACARI RAW CHOCOLATE ORGANICO 70%, MORTIÑO + AZÚCAR DE COCO

  • Früchte-Geschmack nur gering. In Blinddegustation würden wir Heidelbeeren nicht erkennen
  • Negativ: am Ende bleiben Früchte-Teile zwischen den Zähnen hängen (knirschen)
  • Bewertung Melanie: 3.5 Bohnen
  • Bewertung André: 4.5 Bohnen

 

Blumig

ec-food-cacao-24 PACARI Barra de Chocolate Orgánico con Rosas

  • Wir mögen Rosengeschmack nicht so. Rosengeschmack sehr intensiv und langanhaltend
  • Bewertung Melanie: 3 Bohnen
  • Bewertung André: 2 Bohnen

 

Würzig und nussig

ec-food-cacao-26 PACARI CUZCO SALT & NIBS

  • Spannend, lange Zeit abwechselnd, salzig / süss, da es echte Salzkörner enthält
  • Salz jedoch ziemlich stark
  • Bewertung Melanie: 4.5 Bohnen
  • Bewertung André: 5 Bohnen
ec-food-cacao-27 PACARI CHILLI

  • Chilli-Geschmack kommt schön hervor (nicht nur Schärfe).
  • Schärfe kommt schön im Nachhinein (von leicht immer stärker)
  • Bewertung Melanie: 5 Bohnen
  • Bewertung André: 5 Bohnen
ec-food-cacao-28 KALLARI SACHA 85% Supreme Dark Chocolate with Vanilla

  • Vanille-Geschmack dezent aber ohne Süsse, erinnert an Vanillegeschmack in Rotwein (im Fass gelagert)
  • Starke Röstaromen (Kaffee), erinnert an schweren Wein (Portwein)
  • Konsistenz eher körnig, kann zwischen den Fingern nicht schön verrieben werden.
  • Bewertung Melanie: 5 Bohnen
  • Bewertung André: 2 Bohnen
ec-food-cacao-29 Caoni 80% DARK CHOCOLATE WITH MACADAMIA

  • Schmilzt nicht schön. Kakao-Geschmack gut. Macadamian-Nüsse in groben Stücken spürbar, der Geschmack der Nüsse geht unter dem intensiven Kakao-Geschmack aber unter.
  • Bewertung Melanie: 2 Bohnen
  • Bewertung André: 3 Bohnen

 

Schokolade-Produktion

Wir haben aber nicht nur Schokolade geschlemmt, sondern wollten auch die Produktion sehen. Dazu haben wir einen Abstecher in die Amazonas-Region nach Tena gemacht. Von dort stammten auch die ersten Arriba-Pflanzen. Inzwischen werden sie im ganzen Land angepflanzt. Wir fragten bei den beiden grössten Produzenten, Pacari und Kallari, für eine Tour an. Da wir von Kallari keine Antwort auf unser Mail erhalten haben, liessen wir uns von einem Taxi-Chauffeur zur Verwaltung fahren. Wir waren schon etwas skeptisch, als der Taxifahrer auf einer Schotterstrasse in ein abgelegenes Wohnquartier fuhr, und vor einem Backsteingebäude hielt, das mehr wie ein Stall aussah. Drinnen wurden wir erstaunt, aber freundlich empfangen. Touristische Touren scheinen sie wohl nicht so oft zu machen. Die Angestellten waren aber sehr hilfsbereit und stellten für den nächsten Tag eine massgeschneiderte Tour für uns zusammen. Mit einer Mitarbeiterin fuhren wir im öffentlichen Bus 45 Minuten aus der Stadt. Dort besuchten wir ihren Onkel, welcher eine Farm besitzt. Wir erhielten Gummistiefel und liefen durch wilden sowie kultivierten Regenwald. Der Bauer wusste viel zu erzählen. Auf dem Weg machte er uns auf viele Pflanzen und Kräuter aufmerksam. Einige, wie zum Beispiel das Blatt vom Zimtbaum, Ingwerblätter, Knoblauchbaum etc., erkannten wir am Geschmack, andere  davon waren uns unbekannt. Auch das Rohmaterial für den Panama-Hut, welcher eigentlich aus Ecuador stammt, wächst hier. Viele Pflanzen haben eine heilende Wirkung. So wurde unsere Haut mit einer Frucht bestrichen, die wie ein Pflaster wirkte. Auch der Saft aus dem Drachenblut-Baum wirkt heilend. Mit der Achote bekam Melanie eine Kriegsbemalung. Spannend waren auch die früher angewendeten, traditionellen Jagdmethoden, welche er uns mit vielen selbst gebauten Fallen zeigte. Auch unsere Jagdkünste konnten wir testen, indem wir Pfeile durch ein Blasrohr möglichst weit und genau zielen konnten.

Inmitten vom Regenwald standen im kultivierten Teil des Regenwaldes die Kakao-Bäume mit gelben oder roten Früchten. Bei Kallari werden diese biologisch angepflanzt. Wir konnten mit einem Gerät selber Kakao-Früchte vom Baum schneiden. Wenn man die Frucht öffnet kommt eine glitschige Masse zum Vorschein welche, die Kakao-Bohnen umgibt. Dieses Fruchtfleisch kann man auch so essen und schmeckt gut, wenn auch überhaupt nicht nach Schokolade. In der Hütte der Familie konnten wir dann selber Schokolade herstellen. Dazu rösteten wir die fermentierten und getrockneten Kakao-Bohnen über dem offenen Feuer, schälten diese und verarbeiteten sie mit einer handbetriebenen Mühle zu Kakao-Pulver und mit einem weiteren Mahlgang zu einer Melasse. Diese Melasse konnten wir mit Zucker und Wasser über dem Feuer zu flüssiger Schokolade verarbeiten. Als Apéro konnten wir frische Bananen mit selbst gemachter Schoggi-Sauce geniessen – mmmmh.

Zum Mittagessen gab es als Beilage zum Fisch neben Yucca und Palmherz auch weisse Kakao-Bohnen gekocht. Etwas was ich bisher noch gar nicht kannte und eine tolle Abwechslung war. Nach dem Mittagessen fuhren wir zur Produktionsstätte von Kallari. Dort werden die Kakao-Bohnen zuerst vier bis fünf Tage fermentiert. Danach werden sie auf einem Holzboden ausgelegt und trocknen unter einem Plastikdach. Dazu laufen die Mitarbeiter alle 30 Minuten mit Gummistiefeln durch die Kakaobohnen um sie zu durchmischen.

Zurück in der Verwaltung konnten wir noch Kallari-Schokolade degustieren und kaufen. Das war ein wirklich lehrreicher und unterhaltsamer Tag.

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