Schlemmen in Lima

Nach 41 Tagen in Ecuador haben wir mit einem direkten Bus von Cuenca nach Máncora die Grenze überquert – direkt, bis auf zwei Stunden in der Schlange stehen beim Grenzübergang für den Ausreise- und Einreisestempel. In Máncora haben wir uns am Strand von den Wanderungen in Ecuador erholt und aufgewärmt. Jeden Tag haben wir auf dem Markt frischen Fisch oder Crevetten gekauft und abends etwas leckeres damit gekocht. Wir hatten ein schönes Hostel mit einem supernetten Besitzer und waren praktisch die einzigen Gäste.

Auf dem Weg in die Hauptstadt Lima haben wir in Huanchaco Halt gemacht, um die archäologischen Sehenswürdigkeiten zu besuchen. Die Huaca del Sol y de la Luna waren sehr eindrücklich und auch das Museum daneben hat uns gefallen. Diese Tempel sind von der Zeit vor den Inkas und die Tontöpfe, Schmuckstücke etc, die in den Gräbern gefunden wurden, waren sehr interessant und gut erhalten; auch die Wandmalereien im Tempel haben uns gefallen. Leider wurde viel von den Grabräubern ausgebeutet und heutzutage sind die Bauwerke vom El Niño-Phänomen bedroht.

Schliesslich war es Zeit, nach Lima aufzubrechen. Die Hauptstadt Peru’s ist im Moment kulinarisch in aller Munde. Nicht weniger als drei Restaurants sind in der San Pellegrino Liste der 50 besten Restaurants (The World’s 50 Best Restaurants) weltweit aufgeführt. In einem davon hatten wir vor zwei Monaten einen Tisch reserviert für Ende Mai. Wir haben uns in einem Airbnb in Miraflores einquartiert für sechs Tage. Miraflores ist der moderne Teil Lima’s, mit schönen Wohnblöcken, Promenaden, Plätzen und vielen schönen Cafés. Die Strassen sind sehr gepflegt, auch wenn der Verkehr in der 11 Millionen-Stadt rund um die Uhr lärmig ist. Uns hat es in Lima gefallen. Viele Fotos haben wir zwar nicht gemacht. Wir sind aber täglich durch die Strassen geschlendert, haben uns einfach treiben lassen, waren auf dem Markt, haben einen Zopf gebacken, waren shoppen und konnten uns fast nicht entscheiden, welche Restaurants wir ausprobieren wollen.

Peru’s Küche ist ein Schmelztiegel aus verschiedenen Einflüssen. Zum einen haben die Inkas schon sehr viel selber angebaut, dann kamen die Spanier mit ihren Einflüssen und schlussendlich haben auch japanische und chinesische Einwanderer ihren Beitrag geleistet. Das wohl bekannteste peruanische Gericht ist Ceviche, roher Fisch mit Limetten, Koriander und Chili. Das wird hier wirklich überall angeboten und ist superlecker. Dann gibt’s auch noch Causa, Kartoffelstock mit Fisch oder Poulet. Und nicht zu vergessen der Pisco Sour, das Nationalgetränk. Essen ist für die Peruaner so wichtig, die Gerichte werden gefeiert: es gibt einen nationalen Pisco-Tag, einen Causa-Tag, einen Ceviche-Tag. Toll! Sehr gut geschmeckt hat uns auch Tiradito, die peruanische Sashimi-Variante. Auch Quinoa ist peruanisch – und das ist in Europa ja sehr populär seit einiger Zeit. Ohne Inkas hätten wir heute auch keine Kartoffeln in Europa, denn die haben die spanischen Eroberer aus Südamerika nach Europa gebracht.

Einer der bekanntesten Vertreter der peruanischen Küche ist Gastón Acurio. Er hatte lange in Europa gearbeitet und in Frankreich seine deutsche Frau Astrid kennengelernt. Nach seiner Rückkehr nach Peru hat er angefangen, sich mit der peruanischen Küche auseinanderzusetzen und seine Vision ist, dass es auf der Welt neben Burgerladen auch Sangucherias (peruanische Sandwich-Bistrots) und neben Sushi-Bars auch Cevicherias geben soll – kurz: Peru soll ein Synonym für hohe Gastronomie werden. Nun, einige seiner Träume haben sich schon bewahrheitet und Lima ist wie gesagt momentan in aller Munde (wortwörtlich :-)). Unser Erfahrungsbericht einiger Restaurantbesuche in Lima:

Brujas de Cachiche (http://www.brujasdecachiche.com.pe/en)
In Máncora hatten wir viel über Essen und Restaurants mit Eduardo, dem Besitzer des Hostels, gesprochen. Er ist ursprünglich aus Lima und hat uns Brujas de Cachiche für Ceviche empfohlen. Ein anderer Gast, der ebenfalls aus Lima stammte, hat uns das gleiche Restaurant vorgeschlagen. Also gingen wir am ersten Abend da essen. Das Restaurant ist recht gross und war voll oder alles reserviert. Wir wurden auf die Warteliste aufgenommen und kamen eine Stunde später wieder, dann war ein Tisch frei. Wir bestellten die Ceviche-Platte bestehend aus vier verschiedenen Ceviches: klassisch mit Fisch, Meeresfrüchte gemischt, Crevetten mit Mango und eines aus Champignons. Keines davon konnte uns überzeugen. Die Fisch-Stücke waren zum Teil zäh und wir waren uns einig, dass das 10-Soles-Ceviche in einem no-name Restaurant vis-à-vis vom Markt in Máncora um einiges besser war. Zum Hauptgang hatten wir Thunfisch in Holundersauce, der war ok (nicht mehr, nicht weniger). Ich hatte die als al dente angepriesenen Spaghetti mit Meeresfrüchten, die leider total verkocht waren. Fazit: entweder waren unsere Erwartungen nach den zwei Empfehlungen viel zu hoch oder die Qualität war wirklich schlecht.

Rafael (http://www.rafaelosterling.pe/es/lima.html)
Rafael Osterling ist ein aufstrebender Koch in Südamerika, der neben zwei Restaurants in Lima auch eines in Bogota (Kolumbien) besitzt. Wir sind spontan im Rafael essen gegangen, nachdem wir seine zwei Kochbücher in einem Bücherladen durchgeblättert haben. Es waren gerade alle Tische besetzt aber wir kamen auf die Warteliste für eine Stunde später und so genossen wir auch hier um 22:00 Uhr noch ein feines Nachtessen.

Wir hatten Tintenfisch mit Chimichurri zur Vorspeise was sehr schmackhaft war. Der Tintenfisch war sehr zart, so dass auch André ihn mochte. Beim Hauptgang war das Lamm hervorragend. Kurz: die beste Lammhüfte die ich je hatte mit der besten Bratensauce, die ich je hatte. Man schmeckte richtig, dass sie stundenlang liebevoll eingekocht worden war und die Kombination mit den Gewürzen da drin war hervorragend. André hatte Fisch mit Pilzen und gelben Kartoffeln, der gut war, aber keinen für immer bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Die Mangoravioli zum Dessert waren gut. Hier haben wir zum ersten Mal einen peruanischen Wein getrunken: Intipalka Cabernet Sauvignon. Ein typischer Cabernet Sauvignon, jedoch noch etwas jung und nichts, was wir jetzt in die Schweiz importieren würden.

La Mar Cebichería (http://www.lamarcebicheria.com/es/Lima)
La Mar ist eines der vielen Restaurants, die Gastón Acurio gehören. Richtige Cevicherías haben nur über Mittag geöffnet, denn der Fisch muss fangfrisch auf den Tisch kommen. André ist am Sonntag am La Mar vorbeigejoggt und die Einheimischen standen draussen Schlange. Wir hatten diese Adresse schon auf der Liste möglicher Restaurants und so sind wir eines Nachmittags ins Quartier San Isidro geschlendert und haben einen freien Tisch ergattert und um 16:00 Uhr eine Mischung aus Mittag- und Nachtessen genossen. Das Dekor des Restaurants ist einfach, mit einem schönen Farbkonzept (schwarz, grau, türkis) und es erinnert an ein einfaches Strandrestaurant. Der Empfang war sehr freundlich und die Bedienung auch. Nach ein paar Worten mit dem Kellner (in Spanisch natürlich) hat er uns drei Vorspeisen empfohlen und wir haben eine Flasche Wein dazu bestellt. Diese war leider ausverkauft aber der Sommelier hat uns eine gute Alternative empfohlen. So mögen wir Service. Und das Essen war hervorragend. Wir hatten eine Platte mit verschiedenen Causas, zum Teil mit Fleisch, zum Teil mit Fisch oder Crevetten. Alle waren gut. Die drei Ceviches waren alle hervorragend, die Fisch-Qualität einsame Spitze. Und das Forellen-Tiradito war ein Traum. Und das alles für knapp CHF 100! Fazit: ein Lima-Besuch ohne Essen im La Mar geht nicht, merkt euch diese Adresse.

La Central (http://centralrestaurante.com.pe)
Dann war er da, der langersehnte Besuch im Central bei Virgilio Martinez. Vor unserer Weltreise haben wir die neusten Folgen „Chef’s Table“ auf Netflix geschaut und eine war Virgilio Martinez gewidmet. Auch er hat in Europa kochen gelernt und sich dann zu Hause mit den peruanischen Lebensmitteln, aber auch mit Land und Leuten befasst. Sein Konzept basiert auf Meter über Meer. Jeder Gang ist einer Region und einer Höhe gewidmet und wird nur aus Zutaten aus der jeweiligen Region und Höhenlage zubereitet. Vor Kurzem ist „La Central“ auf Platz 5 der weltbesten Restaurants gewählt worden und Virgilio Martinez wurde von den Köchen mit dem Chefs Choice Award ausgezeichnet, dem Award, den sich die Köche unter sich verteilen. La Central ist ein Familienbetrieb. Virgilio’s Frau Pia León ist die Küchenchefin, seine Schwester Malena führt Mater Iniciativa, das Labor, das die Zutaten sucht und findet und untersucht (http://materiniciativa.com/english.html). In 17 Gängen wurden wir also durch Peru geführt und es ging rauf und runter von -10 MüM bis hoch auf 3’700 MüM. Jeder Gang wurde erklärt – aber wir kannten die meisten Zutaten nicht. Es gab sehr gute Kombinationen wie die Seeschnecken oder eine geräucherte Butter. Auch der einzige Fleisch-Gang, das Schwein, hat uns supergut geschmeckt. Anderes war nicht so nach unserem Gusto, wie zum Beispiel das Brot, das auf Coka-Blättern geräuchert wurde und etwas verbrannt schmeckte. Zu guter Letzt wurden wir noch durch’s Restaurant geführt, vom Labor in den Kräutergarten und in die Küche, die schon blitzblank aufgeräumt war. Fazit: es war ein gutes 17-Gänge-Menu und das Konzept ist sehr interessant. Wenn man gerne gut isst, bereit für verrückte Dinge ist und in Lima ist, ist das Central auf jeden Fall einen Besuch Wert. Wer aber einfach die gute peruanische Küche sucht, ist anderswo bestimmt besser aufgehoben.

Cost Azul (https://www.costazulseafood.com)
Das Cost Azul haben wir mal beim Vorbeilaufen entdeckt und nach den sehr guten Tripadvisor-Bewertungen haben wir da am letzten Tag in Lima Nachmittags noch Ceviche und Fisch gegessen. Es ist ein einfaches Restaurant mit nur wenigen Tischen. Das Ceviche war gut, das Tiradito war eher langweilig im Geschmack und hatte teils zähe Fischstücke. Der gebackene Fisch a la Macho zum Hauptgang war eher zu fest gar, die Sauce dazu war aber sehr gut. Vielleicht waren auch hier unsere Erwartungen zu hoch nach all den guten Online-Bewertungen, aber wir können Cost Azul nicht empfehlen.

Amore Mio (https://www.facebook.com/gelatoAmoreMio/)
Eine hübsche Gelateria mit leckerer hausgemachter Glace. Vorallem die gesalzene Erdnuss-Glace ist zu empfehlen.

Nach all dem Schlemmen sind wir dann nochmal in den Norden Peru’s aufgebrochen und sind momentan in Huaraz am Wandern.

 

3 Comments

  • Michael und Ricarda 4. Juni 2017 at 18:56

    Hoi zämmä
    Mir si euchem Tipp gfolgt und si in Lima is „La Mar“ go Ceviche ässä. D Thunfisch Ceviche isch eifach e Traum gsi. Causa heimer au d Variation usprobiert und si begeisteret gsi! E MUST!
    Viel Spass witerhin und alles Gueti! Ricarda & Michi

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    • Melanie Maurer 8. Juni 2017 at 14:42

      So cool dasser’s usprobiert händ. De simer froh wenners au guet gfunde gänd. Mer sind gester zobe vom santa Cruz zrugg cho, escch super gsi! Vel Spass of euchere Reis, viellecht gsehtmer sich jo mol no

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  • Doris 8. Juni 2017 at 6:29

    Da chom i grad hunger über wenn i de bricht liese…

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