Ruinen, Gräber und Wasserfälle rund um Chachapoyas

In Huaraz haben wir uns entschieden, doch noch in den Norden Peru’s zu fahren. Mehrere Einheimische haben uns unabhängig voneinander Chachapoyas empfohlen und so nahmen wir die lange Reise in Angriff. Von Huaraz ging’s mit dem Nachtbus nach Trujillo – da waren wir vor Lima schon mal. Dort mussten wir uns zehn Stunden um die Ohren schlagen, die wir mit Tempelbesichtigung und WLAN-Schmarotzen im Starbucks verbrachten. Die Ruinen von Chan Chan hatten wir beim letzten Besuch ausgelassen. Sie sind sehr grossflächig verteilt (26km2). 60’000 Menschen sollen hier um 1300 n.Chr. gewohnt haben. Leider ist alles sehr verfallen. Am besten erhalten ist der vom Schweizer Johann von Tschudi restaurierte Teil.

Nach dem langen Aufenthalt ging’s mit dem nächsten Nachtbus nochmals 13h bis nach Chachapoyas, der Kleinstadt im Norden, wo der Tourismus erst am Aufkommen ist. Nachdem wir einen Tag ausgespannt haben, gingen wir auf einen Touri-Ausflug zu den Ruinen Kuelap’s. Der geführte Ausflug mit Guide war günstiger, als alleine zu gehen. Kuelap ist eine ehemalige Festung des Volkes der Chachapoya, die hoch auf einem Hügel thront, von dem man einen guten Ausblick in alle Richtungen hat und so Angreifer früh erblicken kann. Hier gab es mal 260 runde Häuser für 2000 Einwohner, eng nebeneinander gebaut innerhalb der sehr hohen Stadtmauern (bis 21m). Ob die Festung dauerhaft bewohnt war, oder bloss im Notfall benutzt wurde, ist nicht ganz klar. Im April hat eine Seilbahn eröffnet und damit ist diese Attraktion nun viel einfacher erreichbar. Momentan hat es noch mehr einheimische oder südamerikanische Touristen, bzw. eben allgemein noch nicht viele Besucher. Man kann alles in Ruhe anschauen, ohne Gedränge einen Moment innehalten und alles auf sich einwirken lassen. Die Häuser der wichtigeren bzw. wohlhabenderen Bewohner waren verziert. Und überall in den Mauern wurden die Toten begraben (bzw. deren Knochen, zuerst wurden sie für ein paar Jahre sonst wo begraben und dann in die Festung zurückgebracht). In den Ruinen der Häuser war meist ein Durchgang aus Stein zu sehen. Anscheinend war dies das Cuy-Gehege im Haus, also der Ort, wo die Meerschweinchen gehalten wurden; sozusagen der Fleisch-Brunnen der Chachapoya. Der Besuch war sehr interessant und wir haben trotz spanischem Guide und spanischer Gruppe sehr viel verstanden.

Wir hatten noch nicht genug Knochen gesehen und so machten wir am nächsten Tag einen zweiten geführten Ausflug zu den Sarkophage von Karajia. Hier war es praktisch unmöglich, ohne Tour hinzukommen. Wir fuhren auf einer kurvigen Schotterstrassen an grösseren und kleineren Dörfern vorbei, in denen es immer einen grossen Platz mit Parkbänken gab vor der Kirche. Die Frauen sassen vor ihren Häusern und waren am stricken, daneben ein paar Hühner, vor fast jedem Haus war eine Sau an einem Pfahl angebunden (ist einfacher als ein Gehege bauen) und die Männer liefen in Gummistiefeln herum, alle mit einer Machete um die Hüfte gebunden. Schwer beladene Esel transportierten Holz und andere Güter in die Dörfer. Die Sarkophage sind aus Holz und Lehm gemacht und stehen in einer steilen Felswand. Ihr Blick ist nach Osten ausgerichtet – ob wegen dem Sonnenaufgang oder durch Zufall ist nicht ganz klar. Auch sie sind Teil der Chachapoya-Kultur und somit aus der pre-Inkazeit. Man sagt, es gebe in der Gegend wohl noch viele unentdeckte Grabstätten. Ein deutscher Archäologe hat zwei Jahre lang die Gegend abgesucht und 200 Funde gemacht, das wären dann im Schnitt alle 3.5 Tage ein Fund – es gibt wohl erfolglosere Projekte…

Nach dem Mittagessen gingen wir in eine Höhle bei Quiocta, eine ca. 500m lange Tropfsteinhöhle mit Stalaktiten und Stalagmiten und – wie könnte es anders sein – menschlichen Überresten der Chachapoya. Die Höhle ist weder ausgebaut noch beleuchtet. So kamen wir uns in Gummistiefeln und mit Scheinwerfern bewaffnet vor wie echte Höhlenforscher – nur der Helm fehlte.

Dann hatten wir genug von geführten Touri-Ausflügen und sind am dritten Tag auf eigene Faust mit dem Colectivo (Minibus) in Richtung Wasserfall Gocta aufgebrochen. Wir waren erst nicht so sicher, ob wir den überhaupt anschauen sollen. Die Wasserfälle haben uns bisher auf der Reise nicht aus den Socken gehauen. Und zum Wandern hatten wir auch keine grosse Lust. Aber da wir schon in der Gegend waren, dachten wir, wir können uns das fast nicht entgehen lassen. Bei einer Brücke meinte der Colectivo-Fahrer, wir müssten hier aussteigen. Von da wäre es eine Stunde hoch zu Fuss zum Dorf, wo der eigentliche Wanderweg beginnt. Zum Glück stand ein Mototaxi bereit – diese umgebauten Motorfahrräder, die wir eigentlich erst in Asien erwartet hatten. Für 10 Soles blieb uns eine Stunde Aufstieg erspart. Oben angekommen trafen wir auf eine Gruppe Schweizer – Reisebüromitarbeiter auf Studienreise, wie sich später herausstellte; ich fühlte mich um 15 Jahre zurückversetzt. Ihre Reise wurde von Tourismus Peru gesponsert – ein weiteres Indiz dafür, dass der Tourismus hier angekurbelt werden soll. Auch soll in Kürze ein Flughafen eröffnen, um die Anreise in die Gegend zu erleichtern. Wir liefen die ca. 2.5 Stunden zum Wasserfall, der Weg ging hoch und runter. Schon von Weitem konnten wir ihn sehen, den 771m hohen Gocta-Wasserfall, der fünfthöchste der Welt. Er ist sagenumwoben und die Chachapoya wagten sich nicht in seine Nähe, deshalb war er auch lange auf keiner Karte eingezeichnet. Die Höhe ist schon sehr imposant, vor allem auch weil das Wasser fast geräuschlos in die Tiefe fällt, ganz unten ist es mehr Gischt als Wasser, das auf die Felsen prasselt. Zurück im Dorf fragten nach einem Mototaxi zurück zur Hauptstrasse. Die erste Frau meinte, das gebe es hier nicht, aber wir wurden trotzdem fündig.

Es waren vier sehr schöne Tag im noch unbekannten Norden Peru’s und wir haben die lange An- und Rückreise nicht bereut. In 23h Busfahrt ging’s zurück nach Lima und von da 5h weiter nach Ica – ouff!

 

1 Comment

  • Doris 18. Juni 2017 at 11:32

    Es isch scho idrücklich, wie und was die lüt früener ohne vili grossi Hilsmittel anebrocht händ. Das hät eus au in Mexiko sehr beidruckt. Super föteli.

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