Im Süden von Peru unterwegs

Ica selber ist unserer Meinung nach keine Stadt, die man gesehen haben muss. Vor allem nicht, wenn man wie wir, eine Unterkunft in einem Vorort hat. Wir sind ja inzwischen schon etwas abgehärtet was die Sauberkeit in der Öffentlichkeit angeht, denn die Südamerikaner lassen viel Abfall liegen und pflegen die Umgebung um ihre Häuser nicht so. Dort liegen oft noch, wie es scheint über Jahre hinweg, Betonsäcke, alte Geräte oder sonstiger Müll. Aber was wir in Ica antrafen, als wir die Umgebung mit dem Bike erkundeten, schockte uns nochmals: Riesige Müllberge in den ausgetrockneten Wasserkanälen der kargen Umgebung in denen wild streunende, aggressive Hunde den Abfall in die Umgebung zerstreuen – und es scheint niemanden zu stören.

Hierher kommt man aber auch nicht wegen der Stadt. Nach langem Verzicht auf Wein (weil die Auswahl gering und die Preise für unser Backpackerbudget zu hoch sind), freuten wir uns auf einen Besuch auf Weingütern die es in der Umgebung gibt. Die Mauern des grossen Weingutes Tacama trennen die trostlose Umgebung von dem gepflegten Gut mit schönen Gebäuden und professioneler Weinproduktion. Die Weine waren auch gut. Vor allem der Chardonnay und der Petit Verdot – Tannat-Blend. Man merkte aber schon hier, Pisco hat in Peru definitiv den höheren Stellenwert als Wein. Die weiteren besuchten Weingüter, produzierten ausschliesslich Pisco. Mehr zum Pisco gibt es im nächsten Food-Beitrag zu Peru.

Bevor es weiter ging, wollten wir noch die schöne Seite der Kargheit sehen – die Wüste. Die Oase Huacachina besteht heute nur noch aus Hotels, Restaurants und Tourenveranstalter. Nicht nur die Lust nach Wein war zu stillen, sondern auch die Lust aufs Boarden. Da wir dieses Jahr noch nie auf dem Board standen, nutzten wir die hohen Sanddünen rund um die Oase zum Dünenboarden. Wir mieteten Boots and Boards und dann ging es mit dem Sand-Buggy rasant über die kleinen Dünen – eine actionreiche Fahrt, die einer Achterbahnfahrt in nichts nachsteht. Während die meisten anderenTouristen bäuchlings auf einem Holzbrett hinunter schlittelten, konnten wir pro Hang einige Kurven in den Sand fahren. Ein Gefühl fast wie Tiefschneefahren – nur halt in kurzen Hosen.

Auf der Weiterfahrt machten wir einen Halt in Nazca und überflogen die mysteriösen Nazca-Linien in einem Kleinflugzeug, bevor es mit einer weiteren Nachtbusfahrt weiter nach Arequipa ging. Sehr eindrücklich wie diese, nur aus der Höhe erkennbaren, in den Boden geritzten Figuren bereits 800 – 600 v.C. entstanden sein sollen. Die Stunden bis zur Abfahrt überbrückten wir indem wir durch Nazca schlenderten und in Kaffees halt machten. Der Ort Nazca gefiel uns besser als Ica.

Arequipa war dann wieder ein Ort in dem wir uns sehr wohl fühlten. Die Kolonialstadt hat schöne Gebäude und der Hauptplatz, die Plaza de Armas, welche es in jeder Stadt, wie auch im kleinsten peruanischen Dörfchen gibt, war hier besonders schön mit den hohen schneebedeckten Vulkanen im Hintergrund. Auch das Kloster Santa Catalina, welches eine Stadt in der Stadt ist, war ein Besuch wert. Dazu kommt noch, dass Arequipa auch kulinarisch viel zu bieten hat. Es gibt feine Spezialitäten und den schönsten Markt (Mercado San Camilo), den wir bisher in Peru angetroffen haben. Wir nutzten die Gelegenheit und hatten ein Mittagessen in einer traditionellen Picanteria (so heissen die einfachen Restaurants wo man mit Lokalen an Tischen sitzt und mehrere lokale Spezialitäten kombinieren kann), kochten im Hostel eine typische Causa (siehe Rezept) und lernten in einem Kochkurs, wie Ceviche oder Pescado a lo macho zubereitet wird.

Nach Arequipa ging es, ihr könnt es wohl erraten, mit dem Nachtbus weiter nach Cusco. Der Zufall wollte es, dass wir genau zur Zeit von Inti Raymi (24.06.) in Cusco ankamen. Das ist das Fest der Sonne aus der Inka-Zeit und war zugleich das Neujahrsfest. Nachdem es von den Spaniern nach der Eroberung verboten wurde, wird es heute wieder gefeiert. Man soll die Feste feiern wie sie fallen, deshalb feierten wir fleissig mit. Auch wir beschwören, dass die Sonne die Wende macht und wieder kommt, denn es war der kürzeste Tag in Südamerika. Trotz schönem Wetter, ist es in Cusco ziemlich kühl, vor allem wenn die Sonne verschwindet. Die farbenprächtigen Umzüge mit Musik und Tänzen waren genau so eindrücklich wie das grosse Volksfest auf dem umliegenden Hügel. Die Fest-Zeremonie in der Inka-Ruine Sacsayhuamán wurde leider von lautstarken Demonstrationen gestört, deshalb genossen wir mehr das Volksfest auf den umliegenden Feldern. Da pilgerten die Familien, bauten Steinhaufen, in dessen Hohlräumen sie ein Feuer machten. Wenn die Steine genug heiss sind, werden sie zerlegt, Kartoffeln hinein gelegt und 30 Minuten gegart. Wir wurden herzlich zu einigen Kartoffeln eingeladen. Nach dem Fest besuchten wir schon mal einige archäologische Inka-Ruinen rund um Cusco. Auch wenn Cusco etwas touristisch ist, gefällt es uns super, so machen wir diese Stadt als Ausgangsort für unsere nächsten Ausflüge und Treks.

 

 

 

 

4 Comments

  • Doris 27. Juni 2017 at 9:30

    Das mit dem Wein wird in Australien sicherlich besser. Snowboarden können wir da zwar nicht, aber sicher viele andere tolle Sachen machen. Scheint ein buntes, fröhliches Volksfest zu sein. Vielen herzlichen Dank für die farbenfrohen Bilder.

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    • André Maurer 7. Juli 2017 at 21:19

      Mittlerweile haben wir auch bolivianischen Wein probiert. Naja, wir hoffen es gibt noch besseren…

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  • Marcel 8. Juli 2017 at 6:53

    Das ist wirklich beeindruckend was ihr so alles erlebt und auf die Reihe bringt. Es ist doch immer wieder schön, durch Eure tollen Bericht das zu einem Teil mit zu erleben. Da müsste man ja beinahe sagen, wenn Ihr dann mal zurück seid, kommen wir nochmal mit und Ihr zeigt uns alles. Wir spielen schon mal Lotto.Danke für diese Informationen. Gute Weiterreise.

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    • Melanie Maurer 8. Juli 2017 at 23:04

      Lasst uns wissen wenn ihr gewinnt, dann kommen wit euch abholen 🙂

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