Machu Picchu und Valle Sagrado

Machu Picchu – das klingt doch schon wundervoll. Ich träume seit Jahren davon, diese Inkaruinen zu besuchen. Einen Tag nach meinem Geburtstag war es soweit, wir sind in Richtung Aguas Calientes aufgebrochen. Dahin kommt man von Cusco aus mit dem Zug (für wohlbetuchte) oder mit dem Bus nach Hidroelectrica und von da zu Fuss zwei Stunden den Bahnschienen entlang. Wir wählten die Backpacker-Variante. Leider hatten wir nicht damit gerechnet, dass der Minibus für die 215km acht Stunden benötigt. Endlich in Aguas Calientes angekommen, checkten wir in unser Hotel ein, gingen Nachtessen und dann schlafen – der Wecker war für 3:45 gerichtet – um 6:00 Uhr war Treffpunkt mit dem Guide beim Eingang. Es war eine unruhige Nacht; André hat irgendwas gegessen, was er nicht vertragen hat und ist zwischen Bett und WC hin und her gependelt. Leider ging es ihm am Morgen noch immer beschissen (im wahrsten Sinne des Wortes), und es blieb ihm nichts anderes übrig, als im Bett zu bleiben, Machu Picchu Eintrittsticket hin oder her (die sind nur an einem bestimmten Tag gültig). Und mir blieb nichts anderes übrig, als um 4:20 Uhr etwas traurig alleine loszuziehen, zu Fuss 450 Höhenmeter unzählige Treppenstufen hoch zum Eingang, im Dunkeln. Es gibt auch Busse, die hoch fahren, aber erstens kosten die und zweitens muss man genau gleich früh aufstehen. So war ich also zusammen mit hunderten anderen Menschen um 6:00 Uhr beim Eingang und wartete gespannt darauf, endlich reingelassen zu werden und auf die mysteriösen Ruinen von Machu Picchu schauen zu können. Und dann war ich drin. Erst ging es ein paar Treppenstufen hoch, dann liefen wir über eine der vielen Terrassen nach vorne und dann war der Blick frei auf die Ruinen-Stadt Machu Picchu. Ein wunderschöner Blick. Der Moment wurde dadurch getrübt, dass ich ihn nicht mit André teilen konnte, zu viele andere Besucher da waren und der Guide uns nicht an den bekannten Platz oben beim Wärterhaus geführt hatte, sondern wir irgendwo halb mittendrin standen. Schon eindrücklich, wie diese Stadt da hoch oben zwischen den Bergen Machu Picchu und Wayna Picchu um 1500 n.Chr. durch Inka Pachacutec und seinem Nachfolger Inka Túpac erbaut wurde. Mein erster Gedanke war, dass es viel grösser ist, als ich erwartet hatte. Der Guide führte uns einmal durch die Ruinenstadt und erklärte nicht wirklich viel und in sehr schlechtem Englisch. Naja, da hätte ich mehr erwartet. Nach zwei Stunden waren wir uns selber überlassen und ich ging in Richtung der nächsten 500 Höhenmeter Treppenstufen, denn ich wollte noch den Berg Machu Picchu erklimmen. Mann war das anstrengend. Die Treppen führten teilweise fast senkrecht hoch – das war weder zum hochlaufen noch zum runterlaufen ein Spass. Unterwegs bot sich mir ein grandioser Ausblick über Machu Picchu. Oben angekommen machten sich ein paar Wolken breit und versperrten teilweise die Sicht, doch das Wetter besserte sich wieder, als ich abstieg. Unten angekommen setzte ich mir bei einem schönen Aussichtspunkt hin und liess das ganze mal in Ruhe auf mich wirken. Die Stadt wurde 1911 vom Amerikaner Hiram Bingham wiederentdeckt – so sagen es die Geschichtsbücher. Tatsächlich waren wohl vor ihm schon andere da (1867 der Deutsche Augusto Berns), aber die hatten keine Yale Universität im Rücken, die die Expedition genug laut in die Welt hinausgetragen haben (meine Interpretaton). Ein paar Stunden später ging ich mit dem Bus zurück nach Aguas Calientes. Ich ging beim Ministerio de Cultura nachfragen, ob man denn nichts machen könne mit André’s unbenütztem Eintrittsticket und er meinte, nur mit Arztzeugnis. André ging es mittlerweile etwas besser. So suchten wir einen Arzt auf, der unverschämte USD 250 wollte für eine Konsultation und ein Arztzeugnis. Die Haltung hier ist: du kriegst einen Beleg und deine Versicherung zahlt das dann ja. Ich frage mich, wie deren Gesundheitssystem so funktioniert, kein Anreiz Geld zu sparen. Wir lehnten dankend ab und gingen zurück ins Ministerio de Cultura. Der nette Herr erklärte uns, wir könnten das Zeugnis günstiger kriegen im offiziellen Spital. Wir wollten schon loslaufen, da ist er uns nachgerannt und meinte, wir sollen ihm das Ticket da lassen, er spreche mit seinem Chef. Und tatsächlich, zwei Stunden später hatten wir ein gratis umgeschriebenes Ticket in der Hand. Manchmal nützt es, sich in Spanisch zu verständigen und charmant zu sein…

So war am nächsten Tag André’s Machu Picchu-Tag. Er fühlte sich besser und hatte vor, mit dem Bus hoch zu fahren – nach 24h praktisch nichts essen sind 500 Höhenmeter Treppenstufen dann doch zu anstrengend. Der Plan war, dass ich unten im Dorf auf ihn warte. Als er aber beim Frühstück war und ich eigentlich ausschlafen wollte, aber keinen Schlaf mehr fand, entschied ich mich kurzerhand, auch nochmal mit hoch zu gehen. Gesagt, getan; im Ministerio de Cultura kaufte ich mir ein neues Ticket und wir fuhren gemeinsam hoch mit dem Bus – diesmal erst um 09:00 Uhr und nicht schon mitten in der Nacht. Wir liefen die Stufen hoch zum Wärterhaus und genossen den Ausblick. Dann liefen wir zum Sonnentor, da wo der Inkatrail von Cusco her nach Machu Picchu führt. Von da erkennt man gut das Inkagesicht im Berg Wayna Picchu (siehe Bild). Zurück bei den Ruinen liefen wir überall herum, ich erzählte André alles, was ich am Vortag gelernt hatte und wir legten uns zwischen den Mauern ins Gras und genossen den Moment. Ich war froh, dass ich nochmals hergekommen bin, unten in Aguas Calientes hätte ich mich nur gelangweilt.

Nach dem Aufenthalt in Aguas Calientes verbrachten wir zwei Nächte in Ollantaytambo, einem kleinen Dorf, in dem sich seit Inkazeit nicht viel verändert hat; abgesehen vom Internet und den westlichen Touristen. Am einen Dorfende thront ein Fort am Hang, es gibt die üblichen Inka-Terassen, die Strassen im Dorf bestehen aus Kopfsteinpflaster und die Bewässerungsanlage aus der Inkazeit funktioniert auch noch. An einem Tag haben wir das Fort besichtigt und am anderen sind wir mit Colectivo und Taxi zu den Salinen von Maras und dem Inkalabor in Moray gefahren. Die Salinen von Maras sind auch aus der Inkazeit und noch heute in Betrieb. An einem Hang befinden sich unzählige Terrassen, in denen das Salzwasser gesammelt wird (es fliesst aus einer Quelle aus dem Berg) und man wartet geduldig, bis das Wasser verdunstet ist und man Salz gewinnen kann. Ich will auch so eine Anlage in meiner nächsten Küche.

In Moray befinden sich runde Terrassen aus der Inkazeit, auf denen die Inkas alles mögliche angepflanzt haben (Mais, Quinoa, Kartoffeln, Amaranth etc). Da sich die Terrassen auf verschiedenen Höhen befinden, es verschieden warm ist je nach Höhe, der Windeinfluss unterschiedlich war und die Bewässerungsanlage kontrolliert werden konnte, entstanden verschieden Mikroklimata. Man nimmt deshalb an, dass die Inkas dies als Agrarversuchsfeld genutzt haben. Ein sehr interessanter Ort.

Zurück in Cusco war eigentlich geplant, dass wir einen sechstägigen Trek rund um den Apu Ausangate machen. Leider habe ich mir auf dem Rückweg vom Machu Picchu den Fuss verletzt. Nichts schlimmes, nur eine Verstauchung, aber genug schmerzhaft, um nicht sechs Tage je sieben bis acht Stunden wandern zu können. Schweren Herzens annullierten wir deshalb den Trek, kümmerten uns um Arztzeugnis für die Versicherung und anderen Papierkram. André machte einen Tagesausflug zum Rainbow Mountain – der neusten Attraktion in der Umgebung (er wurde erst vor zwei Jahren entdeckt); eine zweistündige Wanderung (für André, für andere dauert es doppelt so lange) zu einem farbigen Berg und der schönen Sicht auf den Ausangate. Ich genoss einen letzten Tag in der wunderschönen Stadt Cusco.

 

 

 

6 Comments

  • Doris 6. Juli 2017 at 8:11

    Ich verstehe gut, wieso Du da unbedingt hin wolltest – ist schon imposant, wie die Inkas diese Dinge bauen konnten. In der heutigen Zeit haben wir so viele Hilfsmittel und es hält doch nicht…. Wunderschöne Fotos und ein gelungener Bericht.

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    • André Maurer 7. Juli 2017 at 21:16

      Ja, diese Bauten haben einige Erdbeben überlebt…

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  • Ruedi Häfeli 8. Juli 2017 at 16:59

    Meine Lieben, wunderbar immer wieder von Euch und vom Besuch magischer Orte zu hören. Vielen Dank für die sehr professionelle Berichterstattung!
    Liebe Grüsse aus der heissen Schweiz!
    Claire und Ruedi

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    • Melanie Maurer 8. Juli 2017 at 23:07

      Das Berichte schreiben macht genauso Spass wie das Reisen. Liebe Grüsse von uns beiden

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  • Bruno Kocher 9. Juli 2017 at 10:26

    Sali zäme. Ich lese eui Reise – Erlebnis – und kulinrische Bricht so gern. Mir chas richtig gspühre, wie viel Freud ihr zwoi uf dere Weltreis händ.

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    • Melanie Maurer 9. Juli 2017 at 16:06

      Ich hoffe es werd eu ned allzu schlächt ab de Märt-Fötelis. Wenigstens schmöcktmer bide Föteli nüd, esch also mängisch scho Gränzwärtig 🙂 Liebe Gruess us La Paz

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