Titicacasee, Todesstrasse und Dschungel

Eigentlich wollten wir mal wieder Zug fahren aber die Strecke Cusco – Puno war uns mit über USD 300 pro Person dann doch zu teuer und wir haben den Bus genommen. Es war eine sehr schöne Fahrt durch traumhafte Landschaft; gelbe bis braune Hügel, tiefblaue Flüsse – genau so wie ich mir Peru vorgestellt habe. In Puno haben wir nur eine Nacht verbracht (eine sehr sehr kalte mit Schlafsack Decken und Kappen!) und am nächsten Vormittag die Grenze nach Bolivien überquert; das war der effizienteste Grenzübertrittt bisher (20 Minuten). In Copacabana am Titicacasee haben wir ein so schönes Hostel gefunden, dass wir spontan eine Nacht länger geblieben sind. Wir haben die Sonnenterrasse mit Blick auf den höchsten schiffbaren See der Welt genossen. Tagsüber war es angenehm warm in der Sonne, abends wurde es aber rasch sehr kalt. Der Titicacasee ist riesig und die Farben sind hier auf 3’812 MüM extrem intensiv. Wir hatten vor, eine weitere Nacht auf der Isla del Sol zu verbringen. Doch im Moment schwelt ein Konflikt zwischen dem Nord- und Südteil der Insel und der Norden ist gesperrt, was die Hotelpreise im Süden in die Höhe hat schiessen lassen. Deshalb haben wir nur einen Tagesausflug gemacht. Die Insel liegt ca. zwei Bootsstunden weg vom Festland. Wir sind zum Aussichtspunkt in der Mitte der Insel gewandert und haben die grandiose Sicht auf die schneebedeckten Anden auf der anderen Seeseite genossen.

Vom Titicacasee ging’s weiter nach La Paz, dem Regierungssitz Boliviens. Die Stadt liegt auf sehr trockenem, hügeligen Gebiet auf rund 3’700 MüM (ungefähr die gleiche Höhe wie das Klein Matterhorn!). Es ist eine dreckige Stadt mit (in unseren Augen) wenig Sehenswertem. Wir haben eine Stadtführung gemacht und dabei auch den Hexenmarkt besucht, wo alles mögliche und unmögliche verkauft wird: von Liebespulver über Potenzmittel bis hin zu getrockneten Lamaföten, die bei Bauprojekten der Pachamama (Mutter Erde) geopfert werden. Es gibt auch ein Gefängnis (San Pedro), in dem sich die Insassen mehr oder weniger selber kontrollieren und regeln aufstellen – und angeblich jede Menge weisses Pulver herstellen und hinaus schmuggeln… Natürlich gingen wir mal wieder fein essen im Gustu, einem Restaurantprojekt von Claus Meyer, dem Mitbegründer vom berühmten Noma in Kopenhagen. Das Essen war gut, die allesamt bolivianischen Weine überraschend hervorragend!

Dann war die Todesstrasse an der Reihe. Diese berühmte Strasse war die gefährlichste Strasse der Welt. Auf 80 km führt sie über 3’470 Meter Höhendifferenz auf Schotter nach Caranavi. Seit 2007 gibt es eine asphaltierte Umfahrungsstrasse und sie wird heute fast nur noch von Touristen auf Fahrrädern befahren. Jeder kennt die Bilder aus früheren Tagen, als an engen stellen Lastwagen und Busse kreuzten und es auf der einen Seite steil den Abhang runter ging. Mit dem Bike war’s eine rasante Fahrt und André hatte Spass zuvorderst in der Gruppe mit dem Guide superschnell die Strassen runter zu fahren (und die Guides hatten Freude an ihm). Auf der Todesstrasse herrscht Linksverkehr – damit der Fahrer auf der Abgrundseite auch genau sieht, ob er noch weiter ausweichen kann oder ob er schon runterfällt 😉 Fast wäre dieser Ausflug ins Wasser gefallen. Die Bolivianer sind sehr gut im Protestieren und das taten sie auch an diesem Tag – mit Strassenblockaden. Wir mussten eine Stunde laufen um zu den Bussen mit den Fahrrädern zu kommen und hatten etwas Mühe, überhaupt von unserer Unterkunft ins Stadtzentrum zu schaffen. Überall lagen riesige Steinbrocken auf den Strassen.

Wir sind danach gleich in Coroico geblieben und nicht nach La Paz zurückgekehrt. Leider war ich dann dran mit Magenverstimmung. Deswegen und weil wegen der Blockade in La Paz auch am nächsten Tag noch keine Busse fuhren, haben wir zwei ruhige Tage in der schönen hügeligen Landschaft von Coroico verbracht und die Umgebung zu Fuss erkundet.

Dann hatten wir mal wieder eine abenteuerliche Nachtbusfahrt vor uns. Bei einem Polizeiposten konnten wir auf den von La Paz her kommenden Bus nach Rurrenabaque aufspringen – nach 2.5 Stunden warten. Die Aussage, dass es für die Todesstrasse eine Asphaltstrasse gibt, stimmt nur bedingt. Denn auf dem Weg nach Rurre hatten wir das Vergnügen, auf dem letzten Teil der unasphaltierten, schmalen Schotterstrasse mit dem Bus zu fahren, nachts! In Rurre buchten wir eine Dschungeltour im Amazonas für drei Tage. Mit dem Boot fuhren wir drei Stunden in den Madidi Nationalpark hinein zu einer schönen Lodge. Wir verbrachten eine Nacht in der Lodge und eine mit Moskitonetzen in einem Camp weiter im Dschungel. Tagsüber haben wir Wanderungen mit unserem Guide Diego unternommen. Die Pflanzenwelt war beeindruckend. Tiere haben wir leider nicht viele gesehen. Morgens wurden wir von den Brüllaffen geweckt. Der Lärmpegel im Dschungel hat mich generell sehr überrascht. All die Insekten, Vögel, Frösche usw. machen einen Riesenlärm und es wird auch nachts nie still. Und im Dschungel ist alles grösser – die Blätter, die Bäume, die Ameisen, die Eichhörnchen… An einem Nachmittag  waren wir erfolglos fischen und am letzten Morgen haben wir aus Baumstämmen ein Floss gebaut und sind damit den Rio Tuichi herunter getrieben zurück zum Camp – ein bischen wie Europapark, nur echt. Auch von einer fiesen Ameisenart wurden ich gebissen – ein Erlebnis das ich nicht wiederholen möchte, die Dinger bringt man fast nicht mehr aus der Haut, die beissen sich so fest! Berühmt wurde der Madidi Nationalpark nachdem Yossi Ghinsberg ein Buch darüber schrieb, wir er sich im Park verlaufen hat und drei Wochen umher irrte. Der Film dazu mit Daniel Radcliffe in der Hauptrolle erscheint noch dieses Jahr in den Kinos. Vor fünf Monaten ging auch ein Chilene verloren und überlebte alleine im Dschungel. Er war in der gleichen Lodge wie wir und sein Verschwinden war misteriös. Die lokale Bevölkerung ist sehr naturverbunden und glaubt, er wurde von Duende (eine bösartiger Dschungel-Kobold) ‚verhext‘ weil er Pachamama zu wenig Respekt entgegenbrachte. Dank ununterbrochenen Opfergaben zweier Schamane wurde er nach zehn Tagen lebend gefunden. Wir sind froh, haben wir das Amazonas-Abenteur unversehrt überstanden – abgesehen von den vielen Mückenstichen.

7 Comments

  • Marcel 23. Juli 2017 at 12:10

    Wieder ein interessanter Aufschlussreicher Bericht. Danke für die schönen Bilder.

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  • Wolfgang 27. Juli 2017 at 17:24

    Sehr cooler Bericht

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  • Sandra 28. Juli 2017 at 14:28

    herzliche Gratulation zu 100 Jahre Weltreise:-) schön dass es euch gut geht. Vielen Dank für die schönen Fotos und die spannenden Reiseberichte. Verfolge eure Reise regelmässig. Weiterhin viel Spass.

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  • Sandra 28. Juli 2017 at 14:48

    Natürlich meine ich 200 Tage. wäre ein wenig lang 100 Jahre:-)

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    • André Maurer 31. Juli 2017 at 22:51

      Danke Sandra – Wer weiss wie lange es noch geht. Wir arbeiten an den 100 Jahren 🙂

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  • dänu 31. Juli 2017 at 21:11

    die downhill bikes sehen cool aus, würde mir auch spass machen

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    • André Maurer 31. Juli 2017 at 22:50

      Die Bikes wären noch für viel mehr gemacht. Schade war alles fahrbar 🙂

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