Ein Abstecher nach Brasilien

Wie toll muss etwas sein, damit man sich eine Reise von 63 Stunden antut? Nur wegen dem Caipirinha macht man das sicher nicht. Und zugegeben mit dem Flugzeug wäre man sogar aus Europa schneller dort gewesen. Aber wir sind nun mal Backpacker. Unser letzter Bericht handelte ja vom Dschungelbesuch in Rurrenabaque (Rurre). Wer schon mal da war hat sich sicher gefragt, weshalb wir nicht noch eine Pampa-Tour in Rurre machen? Hier die Auflösung. Es ist wieder eine der Geschichten, wo man sich in einem Backpacker-Hostel zum tausendsten Mal die Reiserouten erzählt und dann eine Floh ins Ohr gesetzt kriegt. Es war in Chachapoyas, noch im Norden von Peru, als ein Deutscher nebenläufig sagte, wenn er im Juli/August nochmals weiter im Süden wäre, würde er in das Pantanal gehen. Das schlummerte in meinem Kopf, bis wir immer weiter in den Süden reisten. Dann googelte ich nach dem Begriff Pantanal – Ergebnis: Juli Perfekte Jahreszeit da Trockenzeit, beste Möglichkeit seltene Tiere wie Jaguare zu sehen, Top-Destination innerhalb Brasilien, in Brasilien so abgelegen, dass wir das auch auf einer späteren Brasilienreise kaum machen würden und zu Allem zu schön warm. Was nun? Checken ob man ohne Visa einreisen kann, ob man von Bolivien dahin kommt und schon war der Entscheid gefallen. Da das Pantanal sehr ähnlich zur Pampa in Rurre ist (und man glaubt es kaum, aber uns fliegt die Zeit bis zum Abflug auf die Osterinseln schon fast davon), haben wir die Pampa ausgelassen. So ging es von Rurre nicht zurück nach La Paz sondern mit einem Taxi weiter.

Morgens um sieben Uhr, zusammen mit vier Bolivianos, zwängte wir uns auf die Rückbank des Toyotas. Ich hätte bestimmt auf einen der vorderen Plätze mit mehr Kopffreiheit bestanden, wenn ich gewusst hätte, dass uns sieben Stunden Fahrt (386 km) auf einer so miserablen Schotterpiste erwartet, dass mir danach der Schädel brummt, da ich etliche Male bis an die Decke des Vans gespickt wurde. In Trinidad, einer Stadt, welche kaum Touristen hat, konnten wir uns einige Stunden die Füsse vertreten, bis es mit dem Nachtbus weiter nach Santa Cruz ging. Diese Fahrt ging viel zügiger, da die Strasse nun asphaltiert war. Dafür war es im Bus gefühlte Null Grad, und Melanie konnte kaum schlafen. In Santa Cruz waren wir trotzdem wieder so voller Tatendrang, dass wir entschieden am Nachmittag gleich weiter zu fahren und keine Nacht hier zu bleiben. Uns blieben wieder einige Stunden Aufenthalt, welche wir hauptsächlich mit Laden von Handy, Notebook, eReader und Powerbank und herunterladen von eBooks, Netflix-Filmen und Offline-Wikipedia-Beiträgen nutzten. Da wir auf unserer Reise bisher sehr viel mit Bussen unterwegs waren, entschieden wir uns, den Nachtzug bis an die brasilianische Grenze zu nehmen. Diese 17 Stunden waren eine tolle Abwechslung. Tagsüber konnten wir die schöne Aussicht geniessen und am Abend etwas im Speisewagen trinken. Trotz Catering von Gategourmet (ja, wirklich!) hat uns das Essen im sehr spartanisch eingerichteten Speisewagen nicht angemacht. Später hat uns das leise, regelmässige Tacken der Geleise schnell in den Schlaf gewogen. Der Zug war so pünktlich, dass wir nach der anschliessenden Taxifahrt zwei Stunden am Grenzposten warten mussten, bis dieser öffnete und wir zu Fuss nach Brasilien spazieren konnten. In der brasilianischen Grenz-Stadt Corumba suchten wir vergebens nach Tourenveranstalter für das Pantanal. So entschieden wir uns um 15:00 den Bus zu nehmen und weitere sechs Stunden nach Campo Grande zu fahren. Dort waren wir erstaunt, wie sauber und modern Brasilien ist. Wir haben uns das Land etwas anders vorgestellt, waren aber positiv überrascht. Vielleicht hatten wir noch zu stark die bolivianischen Verhältnisse im Kopf. Wir merkten aber auch wie aufgeschmissen man ist, wenn man die Landessprache nicht spricht. Es ist aber schön zu merken, dass unser Spanisch doch einigermassen gut ist. Wir erholten uns einen Tag bei Caipirinha, Parilla (endlich wieder einmal Fleisch essen), Joggen und Shoppen und organisierten die Pantanal-Tour.

Für den Start der Pantanal-Tour ging es dann ironischerweise mit dem Bus zuerst wieder vier Stunden zurück Richtung Corumba und bolivianische Grenze. Wir verbrachten drei Nächte in der schönen Pantanal Jungle Lodge und noch eine Nacht im Zelt. Die Tage waren abwechslungsreich mit vielen Aktivitäten: Kanu fahren, Reiten, Pirinha-Fischen (leider waren wir nicht so erfolgreich wie unsere Nachbarn, deshalb gab es zum Znacht Caipirinha statt Pirinha), Nachtsafari, Jeep-Safari und Boot-Safari. Dazwischen konnten wir die schöne Lodge geniessen. Das Pantanal ist eines der grössten Binnenland-Feuchtgebiete der Erde. Es befindet sich im Südwesten von Brasilien. Teile davon gehen über die Landesgrenze bis nach Bolivien und Paraguay. Das Pantanal ist von der Fläche her fünf Mal so gross wie die Schweiz. Das Gebiet ist nicht nur riesig sondern auch abwechslungsreich. Obwohl wir nur einen kleinen Teil im Süden des Pantanal erkundeten, sahen wir Dschungel, Flüsse, Sumpfgebiete und Steppe.

Wir bezeichnen uns alles andere als Ornithologen, aber die Vögel, welche wir hier antrafen, haben uns überwältigt. Es ist die Sammlung aller erdenklichen Vogelarten, welche ich bisher in Vogelkäfigen in Zoos oder privat sowie in der Natur gesehen habe, und noch viel weitere. Der Blauara ist ab sofort mein Lieblingsvogel. Es ist ein riesiger Papagei mit einem langen Schweif. Sein kobaltblaues Gefieder mit gelbem Augenbereich ist so schön, dass es wie angemalt wirkt. Daneben sahen wir noch weitere Papageienarten. Die Sittiche kamen an die Futterstelle bei der Lodge, wie bei uns die Spatzen und Maisen im Winter. Der Tukan mit seinem grossen, farbigen Schnabel gehört ebenfalls zu den exklusivsten Vögeln. Der Jabiru ist mit einer Flügelspannweite von über zwei Metern sehr eindrücklich, er ist das Symboltier des Pantanal. Daneben sahen wir noch Kingfisher, Spechte, Reiher, Storche, Rosalöffler, Schlangenhalsvogel, Kakaraka, Falken oder den Laufvogel Nandu und viele weitere.

Neben Vögel trafen wir noch viele weitere Tiere an. Zu Beginn haben wir alle Kaimane fotografiert. Irgendwann mussten wir aufhören damit. Kein Wunder, Pantanal hat etwa die gleiche Kaiman-Dichte wie wir in der Schweiz Bevölkerungsdichte haben. Die Brüllaffen weckten uns jeden Morgen. Wir hatten das Glück noch viele weitere Tiere wie den Nasenbär, Riesenotter, Sumpfhirsche, Schweine (Nabelschweine – Pekaris oder Wasserschweine – Capybaras, welche wie zu gross geratene Meerschweine aussehen) und vieles weiteres zu sehen.

Was wir leider auch hier nicht sahen waren Jaguar (nur Jaguar-Spuren), Ozelot und die Anakonda-Schlange. OK zugegeben, bei letzterem bin ich gar nicht so unglücklich.  Dafür lief ein Tayra (Irara), eine Art grosser schwarzer Marder, über die Strasse. Unser Guide hat in seinem ganzen Leben erst zwei solche gesehen. Die Mücken, waren zum Glück nichts so schlimm, wie wir erwartet hatten.

Der Abstecher in den Pantanal war seine Reise Wert, die Natur und Tierwelt im Pantanal ist wunderschön und Brasilien mit Land und Leuten hat uns so gut gefallen, dass wir bestimmt wieder einmal hier hin reisen – für uns geht es im Moment aber wieder zurück nach Bolivien.

2 Comments

  • Doris 28. Juli 2017 at 7:54

    Es ist doch toll, wenn man eine so lange Reise tut und es sich dann auch noch lohnt… wie immer wunderschöne Fotos… weiter so und in 5 Wochen treffen wir uns dann in Sydney. Wir freuen uns riesig

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    • Melanie Maurer 29. Juli 2017 at 18:02

      Wir freuen uns riesig auf euch!

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