Abstecher ins Outback

Mit dem Flugzeug reisten wir von Cairns nach Adelaide. Die Stadt hat uns nicht besonders gut gefallen und wir haben auch nicht viel gemacht. Am Samstag war Footy Final und wir waren im Adelaide Oval, dem Stadion, beim Public Viewing. Da die Adelaide Crows leider verloren haben, blieb die Siegesparty aus. Footy ist die australische Art Football, vereinfacht gesagt eine Mischung zwischen Rugby und Fussball. Amüsant war der Besuch in Hahndorf – einem sehr deutschen Dorf mit Biergarten, deutscher Musik, deutschen Produkten im Dorfladen und Bienenstich im Café.

In Adelaide gaben wir unsere Pässe für zwei Wochen auf der indischen Botschaft zwecks Visumantrag ab und so waren wir nun erstmal papierlos unterwegs. Da wir nicht riskieren wollten, so zu fliegen, mieteten wir ab Adelaide in 4×4-Fahrzeug mit Dachzelt und machten uns auf den langen Weg ins Rote Zentrum. Drei Stunden nördlich von Adelaide, im letzten grossen Supermarkt, deckten wir uns mit Lebensmitteln ein und dann ging’s flott voran auf dem Stuart Highway 1’500 km Richtung Norden. Die befürchtet öde Fahrt war recht eindrucksvoll. Klar, zu sehen gab es ausser den toten Kängurus am Strassenrand nicht viel. Aber es ist schon eindrücklich, wie man eine Strecke von Zürich nach Alicante durch mehrheitlich unbewohnte Weiten fährt. Benzin wurde teurer, je weiter wir nach Norden fuhren; die ersten eineinhalb Tage haben wir ausser Fahren und Tanken nicht viel gemacht. So kamen wir einen Tag früher als geplant in Alice Springs an. Am nächsten Morgen besuchten wir das kleine Museum des Royal Flying Doctor Service, was sehr interessant war. Und dann fuhren wir Richtung West MacDonnell Ranges in wunderschöne Landschaft mit unzähligen Schluchten, die man besuchen konnte. Am Ellery Creek haben wir übernachtet und beim Baden Milena und Kay, zwei nette Schweizer, kennengelernt. Wir fuhren weiter via Mereenie Loop – eine recht üble Schotterstrasse – zum Kings Canyon, wo wir am nächsten Morgen eine schöne Wanderung machten. Nach weiteren 300 km Fahrt kamen wir zum Uluru, dem Berg, den alle kennen. Wir haben den perfekten Platz zum Campieren auf einer Sanddüne mit wunderbarem Blick auf den Uluru gefunden und uns da für zwei Nächte niedergelassen – abseits von jeglicher Infrastruktur und anderen Touristen. Bei einem Glas Wein haben wir den Nachmittag verbracht und dabei die Aussicht genossen, traumhaft! Am ersten Abend zogen Gewitter auf und wir haben uns entschieden, im Auto zu übernachten. Mit unserem Dachzelt wären wir so ziemlich der höchste Punkt weit und breit gewesen und wir wollten keine Blitze anziehen… Die nächsten zwei Tage haben wir im Nationalpark verbracht, wir haben den Uluru umwandert, die Aussichtspunkte besucht und die benachbarten Olgas (Kata Tjuta) erkundet. Wir konnten uns kaum satt sehen am Uluru. Die Natur im Roten Zentrum ist sehr schön und vor allem viel grüner, als wir erwartet haben. In der Abendsonne leuchtet alles eindrucksvoll, die rote Erde, die grünen Gräser und Büsche und der rote Uluru. Die letzte Nacht verbrachten wir dann auf dem offiziellen Campingplatz – wir wollten schliesslich mal wieder duschen und es war starker Regen angesagt, keine guten Voraussetzungen um eine weitere Nacht auf einer Sanddüne zu verbringen. In Yulara haben wir per Zufall nochmals Milena und Kay angetroffen und spontan einen lustigen Abend mit Bier und Wein verbracht. Unser Dachzelt blieb trotz starken Regenfällen überraschend trocken.

 

Für die Rückfahrt nach Adelaide hatten wir geplant, den Oodnadatta-Track zu fahren – eine Schotterstrasse weiter östlich vom Stuart Highway. Die war aber wegen starken Gewittern eine Woche vorher immer noch teilweise gesperrt und so konnten wir erst weiter südlich in Marla in den Oodnadatta-Track einsteigen. Die Schotterstrasse war überraschend gut zu fahren und unser Subaru Forester hat dies sehr gut gemeistert. Wir kamen an zwei absurden Dörfern vorbei, Oodnadatta mit xx Einwohnern und William Creek mit ganzen 16 Einwohnern. Am ganzen Tag kamen uns auf den 600 km drei Autos entgegen. Früher, als die Bahnlinie des Ghan noch hier vorbei führte, war bestimmt mehr los. In Oodnadatta gab es das lustige Pink Roadhouse, wo wir den Tank vom Auto und den von uns (mit Ginger Beer) füllten. Was macht man bloss, wenn man an so einem gottverlassenen Ort wohnt? Unvorstellbar. Leider waren wir sozusagen auf der Flucht vor dem nächsten Regen. Gerne wollten wir die Nacht in William Creek verbringen und in dem legendären Roadhouse essen. Doch wir hätten riskiert, die nächsten paar Tage da fest zu sitzen weil die Strasse nach Regenfällen schnell unbefahrbar wird. So fuhren wir halt nochmal 200 km weiter bis nach Marree, wo alte Loks herumstanden und noch immer der alte Bahnhof zu sehen ist. In der Dämmerung sahen wir dann endlich auch wilde Kängurus und Emus, nach fast sechs Wochen in Australien freuten wir uns riesig.

Die nächste Nacht verbrachten wir nur ein paar hundert Kilometer weiter in Parachilna, wo wir uns abends die Bäucher im Praerie Hotel bei Fleisch von Kamel, Emu und Känguru voll schlugen – lecker! Da wir nicht den ganzen Oodnadatta-Track fahren konnten hatten wir nun noch genügend Zeit, die Flinders Ranges zu besuchen. Das ist ein Nationalpark mit wunderschöner, hügeliger Natur, vielen Kängurus und Emus und wunderschönen Plätzen, auf denen man Campieren durfte. Wir waren wandern, haben viele Kilometer auf Schotterstrassen mit wunderschöner Aussicht gemacht, haben Abends ein Feuer entfacht und grilliert, feine Rösti gekocht und den Sternenhimmel genossen. Natürlich hatten wir auch mal wieder einen Platten und mussten den Reifen wechseln… In der zweiten Nacht haben wir auf den uns zugeteilten Campingplatz eine Schlange entdeckt und sind beide fluchtartig ins Auto eingestiegen und haben uns einen anderen Platz ausgesucht; ich bin mir sicher, die Schlange fand das lustig. Am nächsten Morgen fuhren wir via Brachina Gorge zurück zur asphaltierten Strasse und sahen nochmals viele Emus und Kängurus – ein schöner Abschied vom Outback. Wir hatten noch einen Tag Zeit, bevor wir in Adelaide das Auto zurück geben mussten und den verbrachten wir im berühmten Weingebiet Barossa. Nach der Einöde im Outback war die Landschaft sehr grün mit Wiesen, Wäldern, sanften Hügeln und Weinreben. Wir besuchten vier Weingüter, wovon zwei sehr gut waren. Barossa ist berühmt für seine Shiraz-Weine und Jacobs Creek und Penfolds sind Produzenten, die es auch bei uns zu kaufen gibt (die wir aber nicht besuchten). Nach einer letzten Nacht im Dachzelt unseres liebgewonnenen Subaru, kehrten wir nach Adelaide zurück. Wir hatten viel schlechtes gehört und gelesen über den Vermieter Wicked und das Auto hatte auch einige Beulen und Löcher und die Ausstattung war sehr einfach (Kühlbox statt Kühlschrank, keine Kissen und Decken…), aber wir hatten Glück. Ausser einem kaputten Reifen hat alles super funktioniert und die Jungs bei der Vermietstation waren supernett, hilfsbereit und zuvorkommend. Wir haben in den zwei Wochen unglaubliche 4’698 km gemacht (siehe Karte), das sind 335 km pro Tag – die Strecke St. Gallen – Genf. Man fährt hier Distanzen, die sind zu Hause unvorstellbar. Australien ist wahrlich riesig und es war interessant, diese unendlichen Weiten von Nichts auf diese Weise zu erleben.

6 Comments

  • beat 23. Oktober 2017 at 13:58

    love it. erinnerungen kommen hoch lasst es euch gut gehn! beat

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    • Melanie Maurer 24. Oktober 2017 at 0:25

      danke beat; machen wir! 🙂

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  • Claire 31. Oktober 2017 at 14:22

    Unsere Lieben
    Wenn wir Euren spannenden Reisebericht aus Australien lesen, kommen uns so viele Erinnerungen. Wir hatten leider viel zu wenig Zeit, um alles zu entdecken. Aber der Uluru und seine Gegend ist sehr beeindruckend. Weiterhin toi, toi, toi!!! Claire und Ruedi

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    • André Maurer 4. November 2017 at 19:28

      Ja der Uluru und die Natur im Roten Zentrum waren wirklich sehr eindrücklich. Vielen Dank und liebe Grüsse an euch.

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  • Orix 12. November 2017 at 11:13

    Vielen Dank für die vielen Infos! Bei uns gehts in 3 Monaten los. Sind froh um jeden Tipp für die erste Nacht Camping mit Dachzelt rund ums Barossa Valley, aber nicht unbedingt in einem Rummelplatz/tourist park. Danke im voraus!

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    • Melanie Maurer 12. November 2017 at 13:06

      Wir waren in Tanunda auf dem Campingplatz, da wir mal wieder eine Dusche und Waschmaschine brauchten 😉 Wir können euch die App Wikicamps emfehlen. Die kostet zwar was, aber ist supernützlich. Da sind nicht nur die offiziellen Camping(rummel)plätze drin, sondern auch freecamps; alles mit Karte, Fotos, Kommentare anderer Reisenden und Preisangaben. Viel Spass in Australien und gute Reise!

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