Von Adelaide nach Melbourne

Nachdem wir die Ostküste mit dem Wohnmobil und das Outback mit einem 4×4 mit Dachzelt erlebten, wechselten wir noch einmal das Fahrzeug. Für die letzten zwei Wochen in Australien, von Adelaide nach Melbourne entlang der Südküste, mieteten wir ein Camper-Büsli. Wir hatten genügend Zeit, neben der bekannten Great-Ocean-Road noch andere Orte zu besuchen. So machten wir unseren ersten Halt schon nach knapp einer Stunde Fahrzeit nach Adelaide, im McLaren Vale. Das ist das nächste Weingebiet, und es sollte nicht das letzte sein, denn Unterwegs nach Melbourne liegt ja noch Coonawarra. Beide Gebiete produzieren sehr gute Weine und praktisch sämtliche Weingüter bieten gratis-Degustationen an. Anders als wir es von Europa oder Südamerika kennen, steht hier die Degustation im Vordergrund. Die Produktion wird kaum gezeigt oder erwähnt, was uns aber nicht störte, da wir den Prozess ja inzwischen kennen. Bei den Weinen wird aber nicht gespart. Es wird vom einfachen bis zum guten Wein alles zum degustieren angeboten.

Zwischen diesen Weinregionen besuchten wir Kangaroo-Island. Mit der Fähre transportierten wir unser Büsli während einer stündigen Überfahrt auf die drittgrösste Insel Australiens. Die 145 Kilometer lange Insel ist nicht sehr dicht bewohnt und bietet viel Raum für Tiere und Landwirtschaft. Wie der Name schon verrät gibt es natürlich Kängurus auf der Insel. Daneben waren wir aber überglücklich, auch unsere ersten wilden Koalas anzutreffen. Auf einem Camping-Platz war eine Mutter mit ihrem Baby sogar unser Nachbar auf dem Baum über unserem Fahrzeug. Als die Mutter schlief (was bei Koalas keine Seltenheit ist), machte sich der Kleine auf Entdeckungsreise und wollte auf einen anderen Baum. Dabei hatte er seine grosse Mühe, den Zaun zu überqueren. Schlussendlich hat er es doch geschafft und wir hatten ein super Fotosujet. Die Koalas sind hier so verbreitet, dass die Regierung sogar Massnahmen treffen musste (wie z.B. Sterilisation), da die Tiere sonst alle Eukalyptus-Bäume und somit ihren eigenen Lebensraum fressen würden. An den Stränden gab es auch Robben-Kolonien zu bestaunen und unzählige Schafe weiden auf den grünen Wiesen. Sogar eine Sanddüne haben wir in „little Sahara“ angetroffen. Auf der Insel gibt es auch viel kulinarisches: Das Meer bietet frische Austern und Fisch, aber es wird auch prämierter Honig und Gin hergestellt. Das Wetter war leider etwas kühl. Im Nachhinein sind wir froh, war es nicht wärmer und waren wir nicht baden, denn in den News erfuhren wir, dass es unweit der Insel eine Attacke von einem weissen Hai auf einen Kanufahrer gegeben hatte. Es ist schon schade, da hat Australien die schönsten Strände aber kaum irgendwo kann man im Meer baden. Entweder sind es die Haie, die Salzwasserkrokodile, die Quallen, die Strömungen oder das kalte Wasser, welches vom Baden abhält.

 

Die Südküste ist einiges schroffer als die Ostküste, aber von der Natur her wunderschön. Es gibt skurrile Kalkstein-Formationen an Land wie auch im Wasser, riesige, einsame Strände, das Meer ist so klar und blau wie sonst selten und die steilen Klippen und Leuchttürme vermitteln der Küste ihren Charme genauso wie die touristischen Städtchen (z.B. Port Fairy, Apollo Bay oder Lorne). Die 12 Apostel sind natürlich auch ein Höhepunkt der Great-Ocean-Road. Als wir tagsüber dort ankamen waren wir geschockt, wie viele Touristen diese Steinformationen von der Aussichtsplattform betrachten. Busse transportieren in Tagesausflügen unzählige Asiaten und anderen Touristen von Melbourne zu diesem spektakulären Ort. Es war seit langem wieder einmal ein überlaufener Ort. So waren wir froh, konnten wir unweit davon campieren. Wir bevorzugten den Ort bei Sonnenuntergang und früh am Morgen, wenn es viel ruhiger ist. Zudem gibt es auch andere schöne Steinformationen vor den 12 Aposteln wenn man von Adelaide her kommt.

 

In Torquay bestaunten wir am Bells Beach einen der bekanntesten Surf-Spots. Von der Klippe aus konnten wir gut beobachten wie die vielen Surfer die perfekten Bedingungen auskosten. Eine Welle nach der anderen, und jede scheint noch besser und länger zu sein. Ich war richtig traurig, habe ich das mit dem Surfen nicht weiter verfolgt. Zum Glück darf man auch als Nicht-Surfer in den Outlets der bekannten Surfer-Marken Rip-Curl, Quicksilver und Roxy, welche hier gegründet wurden, shoppen.

Die letzten Tage verbrachten wir in Melbourne. Melbourne ist eine moderne, riesige Stadt mit einer eindrücklichen Skyline und einer ausgeprägten Kaffee-Kultur. Wir wohnten im zentral gelegenen Southbank in einer modernen AirBnB-Wohnung im 35. Stock. Zudem hatten wir seit langem wieder einmal gutes und funktionierendes Internet (hohe Bandbreite ohne Zeit- und Datenlimite), was in Australien leider nach wie vor die Seltenheit ist. Da die Stadt nicht so viele Sehenswürdigkeiten hat, gab uns das die Möglichkeit, unsere weitere Reise zu organisieren und einige Skype-Gespräche zu führen, zu kochen und zu backen und die Vorzüge der Stadt zu geniessen (Coiffeur, Markt, Stadt-Bummel, Ausgang/Restaurant).

 

Nach 300 Tagen Weltreise und zwei Monaten Australien geht es nun weiter nach Asien. Australien ist ein tolles und riesiges Land. Mit unseren Campern haben wir in zwei Monaten knapp 10’000 km gemacht. Auch wenn es für die Westküste und den Norden nicht reichte – wir hatten das Glück, wohl mehr von Australien gesehen zu haben, als die meisten Australier selber. Neben der schönen Natur und den so freundlichen Einwohnern haben wir auch den hohen Lebensstandard nach westlichen Verhältnissen genossen. Nun sind wir aber auch bereit, das organisierte, einfache Reisen und die TimTam’s und das BBQ gegen Chaos und Curry einzutauschen – Indien wir kommen. Wir wurden von vielen gefragt ob wir schon wissen, was wir in Asien besuchen und wann wir zurückkehren: Was nach Indien kommt, wissen wir noch nicht, aber das Reisen ist uns noch überhaupt nicht verleidet, deshalb können wir auch noch nicht sagen, wann wir zurück kehren – aber wir werden sicher wieder zurück in die Schweiz kommen.

2 Comments

  • Milena + Kay 10. November 2017 at 14:48

    Wow, supergueti Reisebrichte wo dir 2 do schribet. Heit jo es traumhafts Wetter gha bir Great Ocean Road! Si gspannt ufe nöchscht Bricht. Gniessets witerhin. Und es isch super dass dir noni wüsset wenn wohi. Das machts doch ebe spannend! Ganz liebi grüess vo üs

    Reply
    • Melanie Maurer 11. November 2017 at 11:14

      Merci velmol! Gnüsset euchi letschte Woche in Down Under! Liebe Gruess us Bhutan

      Reply

Leave a Comment