Delhi, Agra und Rajasthan

In Delhi wurden wir Anfang November vom schlimmsten Smog empfangen. Nach zwei Tagen Sightseeing alleine und einem Tag mit Mami und Margrit, verbrachten wir den letzten Tag wegen Gesundheitsnotstand in einem Einkaufszentrum; und sogar da drin war der Smog spürbar und sichtbar. Delhi ist mit 22 Millionen Einwohnern die grösste Stadt Indiens. Dank des super Metro-Netzes ist es aber relativ einfach, sich in der Stadt zu bewegen. Für kürzere Strecken kann man Tuktuks oder Velorickshas nehmen, was unsere zwei mitreisenden Damen sehr lustig fanden. Wir haben den Tempel von Akshardham, das Humayum-Mausoleum, den Lotustempel und das Rote Fort besucht und sind durch den eng verwinkelten Bazaar Chandni Chowk gelaufen. Delhi ist keine schöne Stadt im eigentlichen Sinn. Was uns beeindruckt hat sind die Gegensätze. Einmal läuft man am pompösen Eingang eines fünfstern-Hotels vorbei, 100m weiter wohnen Obdachlose unter Bäumen auf dem Trottoir. Die einzelnen Stadtteile sind auch sehr unterschiedlich. Erst wohnten wir im chaotischen und lauten Paharganj, danach im eher gutbetuchten East Kailash. Laut und dreckig war es aber überall.

 

Für unsere Reise nach Agra und durch Rajasthan haben wir uns einen Fahrer organisiert. Dies hat die Fortbewegung sehr vereinfacht. Unser erster Stop war in Agra. Wir haben uns in einem einfachen Guesthouse einquartiert und sind am nächsten Morgen früh aufgestanden, um den Taj Mahal zu besuchen. Der Smog hat zwar den Sonnenaufgang ruiniert, aber es hatte um diese Zeit noch merklich weniger Leute. Taj Mahal, das vermeintlich schönste Gebäude der Welt, gilt als ein Symbol der Liebe. Der Grossmogul Shah Jahan hat das Mausoleum für seine Lieblingsfrau Mumtaz gebaut. Man sagt, seine Haare seien vor Trauer über Nacht alle grau geworden, als seine Lieblingsfrau starb. Mehr als 20’000 Arbeiter haben das Bauwerk in 17 Jahren erbaut. Manchmal erwartet man von so einem bekannten Gebäude zu viel, aber wir wurden überhaupt nicht enttäuscht, wir konnten uns kaum satt sehen an dem Mausoleum aus weissem Marmor. Am nächsten Tag besichtigten wir noch die Baudenkmäler des Palastbezirks Fatehpur Sikri, was definitiv ein Halt wert war

 

Dann war es Zeit für etwas Natur und wir gingen im Ranthambor Nationalpark Tiger suchen. Während zwei Safaris wurden wir im offenen Jeep durchgeschüttelt. Wir sahen Rehe, Hirsche, Antilopen, Affen und viele Vögel – nur die Tiger haben sich erfolgreich vor uns versteckt und etwas enttäuscht zogen wir weiter.

 

In der pinken Stadt Jaipur tourten wir zu Fuss durch den Bazaar und besuchten Hawa Mahal – ein fünfstöckiges Gebäude, das mehr Fassade als wirklich Gebäude ist. Hier standen die Haremsdamen hinter den Fenstern und verfolgten das Treiben auf den Strassen – ohne dass sie von aussen gesehen wurden. Wir besuchten auch das eindrückliche Amber Fort, zu dem man auf Elefanten reiten konnten (wir zogen den Fussweg vor). Die Anlage ist riesig und es gibt zig schöne Plätze, Tore und Säle innerhalb der Mauern – und tausende Touristen. Es waren mal goldige Zeiten in Rajasthan… Auch dem Stadtpalast und der Sternwarte Jantar Mantar statteten wir einen Besuch ab. Unser Fahrer hatte Mühe mit unserer Unterkunft, da sie mitten im eng verwinkelten, muslimischen Teil der Stadt war. So mussten wir abends jeweils zu Fuss das letzte Stück laufen, und wurden entsprechend angestarrt von den Leuten, den Kühen und Geissen auf den Strassen. In der Abendsonne spielten die Kinder vom Quartier mit Drachen. Von den Dachterrassen liessen sie hunderte selbstgebastelte Kunstwerke in die Höhe steigen – ein einmaliger Anblick. Nachdem wir nun bereits einige indische Spezialitäten probiert hatten, war es Zeit, selber an den Herd zu stehen. Koch Lokesh zeigte uns während eines vierstündigen Kochkurses, wie man Butter Chicken, Naan und weitere indische Köstlichkeiten zubereitet. Wir durften natürlich auch selber mithelfen und waren vom Resultat begeistert – es war superlecker.

 

Im hinduistischen Wallfahrtsort Pushkar machten wir nur einen kurzen Halt (eine Nacht). Wir liefen durch den Bazaar und tranken feinen Kaffee mit Aussicht auf den See, in dem Hindus baden und in den Ghandi’s Asche gestreut wurde. Ein Bazaar-Besuch in Indien ist recht anstrengend. Von allen Seiten wird man von Verkäufern belagert. Kinder stehen einem in den Weg und wollen etwas verkaufen oder betteln einfach nur um Geld. Es gibt Tage, an denen ist das einfacher erträglich, aber jeder von uns hatte mal den Tag, an dem es einfach nur nervte. Indien ist kein einfaches Land zum Bereisen, hier wird viel von einem abverlangt. Es ist überall laut und dreckig und total anders als zu Hause in der idyllischen, aufgeräumten, sauberen Schweiz. Man sieht unglaubliche Dinge. Affen trinken aus liegen gelassenen Cola-Flaschen, Kühe essen Zeitungspapier und Menschen sitzen auf den Dächern vollgestopfter Busse. Oftmals glaubten wir unseren Augen nicht… Mit einer guten Portion Humor ist es aber sehr interessant und eindrücklich.

Jodhpur war unser letzter Halt in Rajasthan und wir hatten uns in einem alten Haveli (Palast wohlhabender) einquartiert und Mami und Margrit hatten wunderbare Sicht auf das Fort aus ihrer Suite. Unser Auto konnte nicht durch die engen Gassen fahren, so dass wir die letzten 1.5 km zu unserer Bleibe per Tuktuk fuhren – wie Inder zu viert inkl. allem Gepäck in einem Tuktuk eingepfercht. Beim Sonnenuntergang genossen wir den Blick auf die blaue Stadt von der schönen Dachterrasse unseres Hotels. Das Fort war zu Fuss in wenigen Minuten erreichbar und wir liefen durch unzählige Tore, bis wir oben waren. Hier gab es zum Eintritt einen super Audioguide dazu. Das Fort war sehr gross und wieder gab es viele Innenplätze und prunkvolle Säle zu begutachten. Lustig in Indien ist, dass man immer wieder von Einheimischen für Fotos angesprochen wird. Manchmal kamen wir uns vor wie Superstars! Bevor wir mit dem Flugzeug nach Delhi zurück flogen, besuchten wir noch den grossen Umaid Bhavan Palast, in dem heute ein Luxushotel untergebracht ist und noch immer die adlige Familie lebt. Der Garten des Palastes war eine willkommene Ruheoase.

 

Zurück in Delhi hiess es dann Abschied nehmen. Mami und Margrit flogen nach Hause. Nach fast einem Monat fiel der Abschied schwer. Mami und Margrit, es war schön, dass ihr uns so weit weg besucht habt und wir haben es genossen, mit euch diesen Teil Asiens zu entdecken.

2 Comments

  • dänu 4. Dezember 2017 at 23:15

    @andré, sieht cool aus dein neues bike

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    • André Maurer 5. Dezember 2017 at 17:36

      Retro ist Alles

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