500 Tage Weltreise – ein paar Gedanken

Unglaublich, wie die Zeit vergeht. Zum einen habe ich das Gefühl, wir sind schon ewig unterwegs, zum anderen fühlt es sich an, als seien wir erst vor ein paar Wochen abgereist. Was hat sich verändert? Bei uns nicht viel. Wir sind es mittlerweile gewohnt, Rucksack ein- und auszupacken. Alles hat seinen Platz, wir habe eine gewisse Routine und ein System wie wir vor der Weiterreise prüfen, ob etwas fehlt. Ist es nicht anstrengend, ständig weiterzureisen? Mir kommt es nicht als Anstrengung vor. Vieles geht nicht wie geplant oder erhofft, Fähren fallen aus, Busse haben Verspätung, aber wir haben eine gewisse Gelassenheit entwickelt. Es gibt immer eine Lösung, man fragt sich durch, man lässt sich helfen. Wir kommen halt dann an, wann wir ankommen. 14 stündige Fahrten sind normal. Distanzen verlieren an Bedeutung. Man lernt ein wenig, sich zu langweilen, ich bin weniger rastlos, als ich es zu Hause war. Der grosse Unterschied ist sicher, dass wir Zeit haben, dass es keine Rolle spielt, ob wir heute oder morgen da sind. Wir reisen auch nicht jeden Tag. In Südamerika und Australien waren wir bedeutend schneller unterwegs, als wir es nun in Asien sind.

Man lernt sich auch damit abzufinden, dass es gewisse Dinge nicht gibt. Anfangs habe ich Käse und Brot viel mehr vermisst, als ich es heute vermisse. Klar, ich freue mich riesig auf‘s erste Fondue wenn wir zu Hause sind, aber es ist wahrhaftige Vorfreude, nicht das Gefühl von ‚ich will das jetzt‘. Auf der ganzen Reise gab es einen Moment, als ich mir wirklich wünschte, zu Hause zu sein. Wir kamen gerade von einer anstrengenden viertägigen Wanderung zurück, unsere neue Unterkunft war richtig scheisse und dann ging auch noch mein geliebtes Stirnband beim Waschen ein. Das war an diesem Tag zu viel für mich, ich wollte in dem Moment einfach nur nach Hause und ging traurig schlafen. Und ich war am nächsten Morgen froh, dass ich nicht zu Hause war ;-).

Wir denken viel an zu Hause, fragen uns wie‘s euch gerade geht, freuen uns über Fotos und Nachrichten. Und jetzt, wo wir langsam das Ende näherkommen sehen, denken wir auch über mögliche Wohn- und Arbeitsorte nach. Das war während den ersten 13 Monaten absolut kein Thema. Wollen wir nach Hause? Ich bin nicht reisemüde. Aber es ist ok, dann irgendwann nach Hause zu gehen. Ich glaube weil von Anfang an klar war, dass wir in die Schweiz zurückkehren, wussten wir, dass dieser Zeitpunkt kommen wird. Im Dezember hatten wir mal diskutiert, ob wir denn nun zur WM in Russland sein werden und dann im Juli nach Hause gehen. Da hatte ich zwei Tage Panik. Ich hatte noch so viele Ideen, wo wir überall hinreisen könnten und plötzlich kam diese WM so viel zu schnell. Ich war absolut nicht bereit, in sieben Monaten nach Hause zu gehen. Wir haben dann gerechnet und überlegt und uns entschieden, dass es zu stressig wird an die WM zu reisen und da Asien bedeutend günstiger ist als angenommen, können wir gut noch ein paar Monate anhängen. Ab dann war für mich die Welt wieder in Ordnung, ich fühlte mich nicht mehr unter Druck, hatte nicht mehr das Gefühl ich muss auf so viele Destinationen verzichten. Nun – fünf Monate später – bin ich immer noch froh, dass wir noch nicht auf dem Nachhauseweg sind. Und doch neigt sich das Abenteuer Weltreise langsam dem Ende entgegen. Andere machen eine Weltreise in sechs Monaten und wir haben ca. fünf Monate vor der Rückkehr das Gefühl, es sei bald zu Ende, verrückt! Ich merke, dass ich mich auf zu Hause freue, darauf, mit meinen Freunden und der Familie Zeit zu verbringen. Ich freue mich auf Käse und Rotwein und Rivella, auf Snowboarden und die Schweizer Berg und auf’s Kochen. Ich freue mich darauf, eine neue Wohnung zu finden und einzurichten. Aber wir freuen uns auch über jeden Tag, den wir noch auf Reisen sind, an dem wir noch so viel Neues entdecken können, uns unzählige (unmögliche) Fragen stellen können (Sieht man den Nordstern auf der Südhalbkugel? Wieso ist das Meer salzig?). Auf neue Eindrücke, kulinarische Erlebnisse und kulturelle Entdeckungen. Nachwievor ist jeder Tag spannend und unser Wissensdurst noch immer riesig. Und die Liste mit Wunschdestinationen wird nicht etwa kleiner, sondern sie wächst nachwievor. Reisen wird auch in Zukunft Teil unseres Lebens sein. Nicht jeden Tag, aber hoffentlich jedes Jahr.

4 Comments

  • Wolfgang 23. Mai 2018 at 15:01

    Ich kann dieses Gefühl verstehen. Bei mir war es zum Jahreswechsel zum Heimkommjahr. Obwohl wir da noch 4 1/2 Monate hatten war es quasi als würden wir morgen heimkommen.

    Noch krasser ist es wenn ihr das Rückflugticket – Rückfahrticket fixiert habt.

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    • Melanie Maurer 23. Mai 2018 at 15:06

      Ja das wird wohl noch ein grosser Schritt wenn wir dann irgendwann das letzte Teilstück buchen. Aber ja, nicht zu viel dran denken und Tag für Tag geniessen…

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  • Mike Onofaro 23. Mai 2018 at 17:32

    Geniesst weiterhin jeden Moment und reist noch so lange ihr könnt und wollt! Ich möchte gerne noch ganz viele eurer spannenden Reiseberichte lesen können

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    • Melanie Maurer 29. Mai 2018 at 15:10

      Keine Angst, ein paar Reiseberichte gibt es noch die nächsten paar Monate…

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