Kulinarisches aus der Mongolei

Wenn mich jemand fragen würde, wo auf der Weltreise wir das schlechteste Essen hatten, wäre die Antwort klar ‚Mongolei‘. Wir haben schon zum vornherein gelesen, dass es wohl kulinarisch kein Höhepunkt wird, waren anfangs aber neugierig und offen, was sich aber schnell änderte.

Während der Rundreise assen wir meist in einfachen Restaurants zu Mittag und unsere Reiseleiterin kochte das Nachtessen. Es gab Lamm, mehr Lamm und noch mehr Lamm. Tage an denen es Rind oder Poulet gab, erkoren wir zu Feiertagen. Ich mag ja im Gegensatz zu André Lammfleisch sehr gerne, aber was uns hier aufgetischt wurde, war mit ganz wenigen Ausnahmen ungeniessbar. Es schmeckte nach altem Schafsbock und enthielt sehr viel Fett. Das meiste waren einfache Eintopfgerichte, über dem Feuer gekocht, so dass alles den Lammgeschmack annahm – André tat mir sehr Leid. Maggi und Ketchup waren seine Rettung. Meist auch in Kombination – ihr könnt euch also vorstellen, wie schlecht das Essen war. Wir hatten ständig einen Sack mit Knabbereien griffbereit und füllten ihn bei jeder Gelegenheit auf. Die Supermärkte bieten eine grosse Auswahl an Produkten aus dem In- und Ausland. Vorallem sehr viele deutsche Produkte haben wir angetroffen, von Schokolade, über Honig bis hin zu Frankfurter und Sauerkraut. Auf dem Bauernmarkt gab es zur Zeit viele frische Beeren zu kaufen.

Die Nomaden essen das Fleisch ihrer Tiere, je nachdem kann das das Lamm-, Yak-, Kuh-, Ziegen-, Kamel-, Pferde- oder Rentierfleisch sein. Fleisch und Fett sind neben Milchprodukten und Weizen die Hauptnahrungsmittel.
Die Tiere werden täglich zweimal gemolken und aus der Milch wird Yoghurt, Käse und Butter gemacht. Alles wird getrocknet und so haltbar gemacht. Eine Familie stellte aus fermentiertem Joghurt sogar ein Brandtwasser her.

 

Spezialitäten

Airag (fermentierte Stutenmilch)

Eine bekannte Spezialität ist die fermentierte Stutenmilch, die in grossen Taschen aus Tierleder fermentiert und aufbewahrt wird. Wir hatten nur unsere Lippen damit benetzt beim Probieren, zu mehr wagten wir uns nicht (danach hatten wir tagelang Durchfall, aber das war wohl Zufall). Sie schmeckte sehr säuerlich.

Milch-Tee

Zur Begrüssung bei den Nomadenfamilien gab es täglich gesalzener Milch-Tee. Je nachdem aus Yak-, Schaf-, Pferde-, Kamel-, Ziegen- oder Rentiermilch hergestellt. Schwarztee-Blätter werden kurz mit der Milch mitgekocht. Es war nicht unser Lieblingsgetränk.

Urum (Streichrahm)

Zur Begrüssung bei den Familien, bei denen wir übernachteten, gab es oft eine frische „clotted cream“, die uns sehr schmeckte. Die Milch wird dazu in flachen Pfannen erhitzt und für mehrere Stunden stehen gelassen. In dieser Zeit sammelt sich der Rahm an der Oberfläche und bildet Klümpchen („clots“).

Tsuivan (gebratene Nudeln)

Tsuivan sind hausgemachte Nudeln aus einem Teig aus Mehl und Wasser. Der Teig wird dünn ausgerollt und über dem Holzherd gebacken, ehe er in schmale Streifen gechnitten wird. Man dämpft die Nudeln dann zusammen mit Fleisch und Karotten in einem Topf über dem Feuer. Das Gericht schmeckte meistens nicht sehr gut, aber füllte den Magen. Am letzten Abend gab es eine gute Version mit Ziegenfleisch.

Buuz (Dumplings)

Buuz mit Lammfleisch gab es sehr oft zum Mittagessen. Bei einer Familie wurde alles frisch hergestellt. Das Fleisch wurde frisch von der Lammkeule geschnitten und der Teig frisch hergestellt. Diese schmeckten sehr gut, auch das Fleisch war zart und enthielt nur wenig Fettanteil. Ein paar Tage später wurden uns Pferde-Dumplings versprochen, die leider neben Pferdefleisch auch Lammfett enthielten, so dass wieder alles nach altem Schafsbock schmeckte.

Frittierte Teigtaschen

Es gibt die Teigtaschen auch etwas grösser und flach, dafür frittiert; natürlich mit Lammfleisch gefüllt.

Hot Stone BBQ

Die Nomaden bereiten an Festtagen ihr Fleisch mit heissen Steinen zu. Auch wir durften das einmal geniessen. Dazu wurden Steine im Feuer glühend heiss erhitzt und dann in einen Topf mit Kartoffeln, Karotten und (wie könnte es anders sein) Lammfleisch gegeben. Eine Stunde später war alles gar und das Lammfleisch schmeckte überraschend gut, mit gutem Brataroma.

Frische Schlachtwurst

Eine Familie hatte am Morgen ein Lamm geschlachtet und aus den Innereien eine Wurst zubereitet, die leider genau in dem Moment fertig gekocht war, als wir ankamen. Natürlich wurde sie uns zum probieren angeboten. Sie sah nicht sehr lecker aus und schmeckte stark nach Leber. Wir assen nur ein kleines Stück davon.

Mongolisches BBQ

Was sich die ganze Welt unter mongolischem Essen vorstellt, ist das mongolische Barbeque. Überall auf der Welt gibt es diese à discretion-Restaurants, auch zu Hause (Saga Khan). Das lustige ist: das hat mit der Mongolei nicht sehr viel am Hut, diese Zubereitungsart wurde in Taiwan erfunden. Mittlerweile gibt es aber auch ein solches Restaurant in Ulaanbaatar – ausschliesslich für Touristen. Wir probierten es trotzdem aus, es war gut.

Vodka und Energy-Drink

Der Chingis Khan Vodka schmeckte sehr gut. Wir sind sonst beide nicht so grosse Vodka-Trinker. Lustig war, dass es auch einen Chingis Khan-Energie-Drink gab, der genau gleich wie Red Bull schmeckte.

 

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