Auf dem Weg Richtung Süden

Auf dem Weg zur Grenze zu Ecuador machten wir erstmal Halt in der Zona Cafetera und haben auf einer Kaffeefarm übernachtet. Da dies kein billiges Unterfangen war, haben wir zum ersten Mal auf dieser Reise in einem Dorm (Mehrbettzimmer) übernachtet – und hatten das ganze Zimmer für uns (acht Betten). Also Geld gespart und trotzdem genügend Privatsphäre gehabt. Wenn mich da nicht beim Einschlafen eine Riesenheuschrecke angesprungen hätte, wäre alles perfekt gewesen… Wir haben auch eine Besichtigung der Kaffeefarm gemacht und dabei viel über Kaffeeanbau und -verarbeitung gelernt. André hat sogar Kaffeebohnen probiert (ok, er hat’s nach 0.2 Sekunden bereut).

Nach der Nacht im Grünen haben wir am Strassenrand den Bus Richtung Süden angehalten. Das ist hier so üblich. Man muss nicht beim Busbahnhof einsteigen, man kann den Bus auch einfach unterwegs anhalten. Wir sind bis nach Salento gefahren (vier Stunden), wo wir am nächsten Tag eine schöne fünfstündige Wanderung im Valle de Cocora gemacht haben – mit einigen furchterregenden Hängebrücken. Da wachsen bis 60m hohe Wachspalmen, die höchste Palmenart der Welt. Sie heisst übrigens Wachspalme weil die Rinde eine dicke Wachsschicht hat, nicht weil sie so hoch wächst 😉

Nach zwei Nächten in Salento hatten wir eine weitere lange Busfahrt vor uns: neun Stunden bis Popayán. Wir wollten erst nur eine Nacht dort bleiben aber da wir noch einiges zu erledigen hatten und endlich den Flug auf die Galapagos-Inseln buchen wollten, haben wir uns entschieden zwei Nächte zu bleiben. Von Popayán hatten wir nicht viel erwartet und waren überrascht wie hübsch die Studentenstadt mit ihren weissen Häusern ist. Die Gassen wurden gerade herausgeputzt und alles noch schnell neu gestrichen oder zumindest ausgebessert. Auf den Plätzen wurden Tribünen aufgebaut und beim Busbahnhof Festzelte. Die Semana Santa naht und Popayán ist sehr berühmt für die Festlichkeiten und Prozessionen. Die Semana Santa ist hier die Woche vor Ostern. Alle haben Ferien, alle gehen an die Küste oder ihre Familien besuchen. Und eben, es finden die grossen Osterprozessionen statt. Da die Busse und Hotels in dieser Zeit ausgebucht sind, wollen wir es unbedingt noch vorher nach Quito schaffen.

Weiter ging’s heute mit dem Bus bis Ipiales, dem Ort vor der Grenze. Nochmal neun Stunden im Bus sitzen. Die ganze Strecke von der Kaffeezone hierher ist etwas mühsam. Tatsächlich sind es ’nur‘ 718 km aber die Strassen gehen durch Berge und Täler, deshalb die unendlichen Stunden Bus fahren. Auf dem Weg hierher haben wir Berge überquert die hatten nicht mal mehr Bäume, und hier ist die Baumgrenze viel höher als zu Hause. Es wird auch nach wie vor davon abgeraten nachts zu fahren, da immer noch sporadisch Überfälle auf Nachtbusse stattfinden. Hier in Ipiales verbringen wir nun die Nacht in einem einfachen Hotel direkt beim Busbahnhof. Morgen früh gehen wir noch eine Kirche anschauen und dann über die Grenze nach Ecuador. Nach 51 Tagen in Kolumbien fällt der Abschied schwer. Das Land hat viel zu bieten und die Leute sind unglaublich nett, offen und hilfsbereit. Colombia – muy chévere – te extrañaré!

2 Comments

  • Doris 9. April 2017 at 11:52

    Ja, das mit dem „guten“ Geschmack der Kaffeebohnen hätte ich ihm sagen können… die haben wir schon in der Schule probiert und als ungeniessbar empfunden. Wir wünschen Euch viele spannende Momente in Ecuador

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  • Marcel 10. April 2017 at 9:06

    Viele schöne Erinnerungen die bleiben werden. Für den Aufenthalt in Ecuador wünsch ich Euch viel Vergnügen und viel Spass bei den Prozessionen.

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