Vulkane im Nebel

Neben faszinierender Tierwelt und leckerer Schokolade hat Ecuador natürlich auch noch Berge und Vulkane zu bieten, in den Kordilleren der Anden. Dieser Bericht handelt von der Suche nach den Vulkanen…

Ein bekannter Ort für Berge, Wasserfälle, Thermalbäder und Wallfahrten ist Baños. Da haben wir drei schöne Tage verbracht. Baños heisst Bäder, also waren wir eigentlich im Ort „Baden“ von Ecuador. Wir wanderten zum Casa de Arból, einem Baumhaus mit riesigem ‚Riitiseili‘ – Spass für Erwachsene. Von da könnte man den Vulkan Tungarahua sehen, wenn einem nicht die Wolken die Sicht versperren würden… Wir haben einen Wellnesstag gemacht, mit Joggen, Coiffeurbesuch, Gesichtsbehandlung und schwefelhaltigem Thermalbad. Beim Wasserfall Pailon del Diablo beobachteten wir, wie die gewaltigen Wassermassen in die Tiefe fallen. Ein nasses Spektakel. Es gab Treppen und Durchgänge, bei denen man nah an den Wasserfall herankam – sehr beängstigend für jemand mit Höhenangst bei Wasser wie mich; aber zugleich auch sehr faszinierend.

Dann haben wir uns zwei Nächte in einem berühmten Hostel im Cotopaxi Nationalpark gegönnt. Cotopaxi ist der zweithöchste Berg Ecuadors (5’897m), ein Vulkan, der im August 2015 zum letzten Mal ausgebrochen ist. Das Secrets Garden Cotopaxi ist sehr schön gelegen mit super Aussicht auf den Cotopaxi, wenn da nicht der Nebel wäre. In den drei Tagen haben wir ihn genau 5 Minuten gesehen. Dafür haben wir das Jacuzzi genossen. Und das Cheminée im Mehrbettzimmer hat uns nachts warm gehalten. Am zweiten Tag haben wir eine Wanderung auf den Vulkan Pasochoa gemacht, von 3’400 auf 4’200 MüM. Die Wanderung dauerte 6.5 Stunden, in Gummistiefeln, durch knöchelhohen, rutschigen Schlamm, im Regen und Nebel. Oben angekommen sahen wir…nichts ausser Nebel. Naja, es war nicht meine Lieblingswanderung. Zurück im Hostel waren wir nass, dreckig und durchgefroren.

Da wir noch nicht genug vom Wandern hatten und wir uns auf längere Treks in Peru vorbereiten wollten, entschieden wir uns für einen Mehrtages-Trek zum Quilotoa-Kratersee. Von Sigchos wanderten wir über Isinliví und Chugchilan hoch zum Krater. Die Wanderung führte durch schöne Täler, entlang von Flüssen, durch Wälder und Dörfer mit indigener Bevölkerung. Die kalten Nächte verbrachten wir unter mehreren Schichten Wolldecken (Rekord war fünf Schichten) oder mit Holzofen im Zimmer. Im Hostal Llullu Llama in Isinliví hatte es sogar ein Jacuzzi, Dampfbad und eine Sauna; genau das, was man braucht nach einer mehrstündigen Wanderung. Hier hatten wir ausnahmsweise einmal ein bischen Glück. Oben beim Kratersee angekommen hatten wir 10 Minuten freie Sicht, bevor die Wolken aufzogen und den Kratersee bedeckten. Wir blieben noch eine Nacht in Quilotoa und hofften auf einen schönen Sonnenaufgang, denn morgens war das Wetter meist gut auf der dreitägigen Wanderung. Nicht so in Quilotoa, der nächste Tag war ein Regentag…

Mit dem Bus fuhren wir nach Riobamba, dem Ausgangsort für die Besteigung vom Chimborazo, dem höchsten Vulkan Ecuadors (6’310m). Busfahrten hier dauern lange. Es gibt keine Tunnels oder Autobahnen, man fährt auf kurvigen Strassen über die Berge und braucht locker sechs Stunden für 250km. Edwar Whymper war übrigens 1880 der erste Besteiger des Chimborazo, 15 Jahre nachdem er als erster das Matterhorn bestiegen hatte. Ganz hoch wollten wir nicht, aber wir haben die 200 Höhenmeter vom Parkplatz zur Edward Whymper-Hütte auf uns genommen und waren zum ersten Mal im Leben auf 5’000 MüM. Da wir uns die Tage vorher gut anklimatisiert hatten (der Quilotoa-Loop war auf 3’000-4’000m), ging das gut. Man musste langsamer laufen, aber Symptome von ‚Sorocho‘ (Höhenkrankheit) verspürten wir keine. Wir waren im Schnee – doch den Chimborazo konnten wir leider nicht sehen, es hatte Wolken, so langsam gewöhnten wir uns an unser Wetter-Pech. Zurück beim Parkplatz packten wir uns wasserdicht ein und dann gings in rasanter Fahrt über coole Trails 2’200 Höhenmeter runter. Immer wieder mussten wir anhalten und warten, bis der Schneefall oder Regen aufhörte. Es war ein sehr dreckiges und nasses Unterfangen, aber hat unglaublich viel Spass gemacht. Die Landschaft wechselte immer wieder. Erst war es steinig, sah aus wie auf dem Mond, dann fuhren wir über grüne Matten und schliesslich durch bewohntes Gebiet, vorbei an Bauernhöfen wo sie gerade einen neugeborenen Stier tauften (auf Melanie). In den Stunden im Auto haben wir interessante Gespräche mit unserem Guide Fausto geführt, über Politik, Gesundheitssysteme, Kultur und Wirtschaft Ecuadors und der Schweiz. Beim Warten haben wir auch einen Wolf gesehen, der nur ein paar Meter neben dem Auto vorbei lief. Nach dem nasskalten Erlebnis dauerte es mehrere Tage, bis unsere Schuhe wieder trocken waren und die Wäscherei hatte einiges an Arbeit.

Zum Abschluss unsere Ecuador-Reise haben wir noch Cuenca besucht. Eine gepflegte Stadt mit schönen Bauten, Kaffees und Gassen. Es war für uns die schönste Stadt Ecuadors und wir genossen die wärmeren Temperaturen und den Sonnenschein.

In der Zeitung hatten wir gelesen, dass in der ersten Mai-Hälfte doppelt so viel Regen fiel wie sonst im ganzen Monat. Kein Wunder also, hatten wir so viel Pech und nasse Tage. Ob es sich bei den jetzigen Wetterkapriolen um ein erneutes El Niño-Phänomen handelt (der letzte war 2015/2016), darüber scheiden sich die Geister.

Eine lustige Anekdote am Rande: in ecuadorianischen Toiletten gibt es kein Toiletten-Papier im WC, sondern nur draussen vor den WC-Kabäuschen. Gut, wenn man das weiss und sich mit WC-Papier eindeckt BEVOR man auf dem Topf sitzt, sonst: scheisse…

Ecuador war schön und sehr abwechslungsreich. Wir haben mehr Zeit hier verbracht als wir dachten und es hat uns sehr gut gefallen. Die Leute sind zurückhaltender als in Kolumbien, dafür ist die Natur eindrücklicher.

5 Comments

  • Marcel 22. Mai 2017 at 22:42

    Immer wieder faszinierede Berichte und Bilder.
    Man möchte am liebsten dabei sein und bekommt aber trotzdem viel von Eurer Reise mit. Ich hoffe es gefällt Euch noch lange.

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    • Melanie Maurer 23. Mai 2017 at 5:51

      Mer gönd no lang ned hei, mer gönd no lang ned hei… 😉

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  • Doris 23. Mai 2017 at 7:56

    Super, das es Euch auch in Ecuador so gut gefallen hat. Tolle Erlebnisse und viele neue Eindrücke. Vielen Dank für den interessanten Bericht und die wunderschönen Fotos. Weiter so…

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    • Melanie Maurer 24. Mai 2017 at 3:07

      In 100 Tagen seid ihr auch dabei 🙂

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      • Doris 30. Mai 2017 at 7:49

        Ja, es kommt in Riesenschritten näher – wir sind bereits in der Grobplanung, dass unser Geschäft auch während unserer Abwesenheit einwandfrei läuft und wir die Zeit mit Euch auch richtig geniessen können.

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