Wein und Salz

Zurück in Bolivien haben wir zwei Tage in Santa Cruz verbracht, der modernsten und am schnellsten wachsenden Stadt des Landes (von 1992 bis heute mehr als verdoppelt auf mehr als 1.5 Mio. Einwohner). Von da ging es mit einem weiteren sehr sehr kalten Nachtbus nach Tarija, der Weinregion. Nachdem uns die Weine so gut geschmeckt haben (siehe Kulinarisches aus Bolivien), wollten wir natürlich auch diesen Teil sehen. Tarija ist ein kleiner Ort mit schönem zentralen Hauptplatz und ist sehr verschlafen. Leider waren wir genau über’s Wochenende dort und viele Weingüter haben dann geschlossen. Wir haben aber trotzdem ein paar besuchen können. Zwei davon waren sehr gut, die anderen sehr schlecht. Schrecklich, was einem da als Wein aufgetischt wurde. Die anderen, meist bolivianischen Touristen, fanden dieses süsse Gesöff auch noch gut und haben sogar ein paar Flaschen gekauft.

In Sucre, der Ciudad Blanca (weisse Stadt) des Landes hat es uns sehr gut gefallen. Die Gebäude der Stadt sind unglaublich schön, es ist relativ sauber, es gibt zig schöne Plätze mit Bänken unter Palmen und einen wunderschönen, grossen Markt mit Gemüse, Früchten, frischen Fruchtsäften und allem, was das Herz begehrt. Da haben wir uns eingedeckt mit günstigen Kosmetikartikel, bevor es in die teureren Länder geht. Wir wollten eigentlich ein paar Kirchen und ein Museum besichtigen aber alles hatte immer zu, egal ob während oder ausserhalb der offiziellen Öffnungszeiten.

Auf dem Weg nach Uyuni haben wir noch einen Halt in Potosí eingelegt. Aus dem geplanten kurzen Stopp sind krankheitshalber vier Tage geworden. Ich lag mit einer Erkältung im Bett und André ging joggen hat die Küche des Hostels genossen und unter anderem Ravioli gemacht – sehr zur Belustigung der anderen Hostelbewohner. Potosí ist bekannt für die Silberminen und war im 17. Jahrhundert eine der grössten und reichsten Städte der Welt. Noch heute ist der Ort von den Minen abhängig. Die Mineros sterben meist früh (Lebenserwartung: 45-50 Jahre). Die Arbeit ist hart, dreckig und gefährlich. Auf Touren können die Minen besichtigt werden. Dazu bringt man Coca, Dynamit oder Zigaretten vom Markt mit – als Geschenke für die Mineros. Für uns klang das etwas, wie wenn man in den Zoo geht und die eingesperrten Tiere anschaut, die keine andere Wahl haben als in den Käfigen zu sterben. Und zur Belustigung bringt man ihnen auch noch Futter mit. Wir haben deshalb keine Tour gemacht. Der Ort selber ist hügelig, auf 4’000 MüM gelegen und hat ein paar schöne Gebäude im Zentrum.

Dann ging’s weiter nach Uyuni. Es war eine sehr schöne Fahrt von Potosí nach Uyuni, durch sehr trockenes, hügeliges Gebiet mit vielen Lamas. Wann immer man in Bolivien von Uyuni spricht, sagen alle „muy frío“ – sehr kalt. Als wir angekommen sind war es aber schön warm und auch nachts haben wir wider Erwarten nicht gefroren. Wir wurden sehr herzlich empfangen im Hostel und in ein besseres Zimmer mit eigenem Bad upgraded. Es gab heissen Tee und Guetzli, als wir vom Nachtessen zurück kamen, und der Besitzer hat viel von der Salar erzählt, der grossen Salzwüste. Wir haben verschiedene Erfahrungen gemacht mit Bolivianern. In den Hostels waren sie meist sehr nett, hilfsbereit und herzlich. Auf der Strasse, im Bus und auf dem Markt wurden wir zum Teil etwas abschätzig behandelt. Einmal wollten wir auf dem Markt Tomaten kaufen, standen vor einem Stand mit viiiielen Tomaten und sagten der Marktfrau (auf Spanisch natürlich), wir hätten gerne drei Tomaten. Irgend etwas an uns hat ihr nicht gepasst. Ihre Antwort war „no hay“ – es hat keine Tomaten. Sie wollte uns partout nichts verkaufen. Verdattert haben wir diese dann am Stand vis à vis gekauft.

Am nächsten Morgen sind wir dann mit einem Jeep auf eine dreitägige Tour durch die Salar de Uyuni bis nach Chile aufgebrochen. Josimar, unser Fahrer und Guide, hat uns gut von A nach B gebracht. Mit den beiden mitreisenden Griechinnen hatten wir viel Spass, und gemeinsam haben wir uns über die beiden anderen Mitreisenden aus Santa Cruz aufgeregt. Alles musste nach dem Kopf des Bolivianers gehen. Sie kamen eine Stunde zu spät am ersten Tag und haben sich generell an keine Zeitvorgaben gehalten – so dass wir entweder lange auf sie warteten bei den Stopps oder nur kurz Zeit hatten, weil wir schon zu spät dran waren. Das war aber das einzige negative an der Tour. Ansonsten: wunderschöne, beeindruckende, nie zuvor gesehene Natur. Die Salzwüste ist RIESIG. Vor 40’000 Jahren war hier das Meer. Die Erdplatten haben sich dann verschoben bzw. eine hat sich angehoben und das Wasser wurde vom Rest des Meeres abgeschnitten, konnte nicht abfliessen. Mit der Zeit ist alles Wasser verdampft und übrig geblieben ist eine mehr als 10’000 m2 grosse Fläche mit 120 m dickem Salz. Am ersten Tag haben wir den Zugfriedhof besichtigt – hier war früher mal eine Zugwerkstatt – und sind auf der Salzfläche herum gekurvt, haben lustige Fotos und Videos gemacht, waren auf einer Insel aus Korallen und haben einen schönen Sonnenuntergang und Mondaufgang gesehen. Geschlafen haben wir in einem Hotel aus Salz. Die Fenster waren am Morgen vereist aber auch da haben wir nicht gefroren nachts – dank den drei Wolldecken.

Am zweiten Tag sind wir dann durch die Wüste und zu Lagunen gefahren. Das Wasser ist hier wegen Algen zum Teil rot und es hat viele Flamingos. Wir haben unterwegs Vicuñas gesehen und zwei Andenfüchse. Hier gibt es viele Vulkane, aus einem kam sogar Rauch. Es lag auch teilweise noch Schnee, die Strasse war holprig und staubig. Wir haben viel Zeit im Jeep verbracht, aber die Natur war unglaublich schön und wir konnten uns kaum satt sehen. Die zweite Nacht verbrachten wir auf 4’600 MüM in einer spärlichen, kalten Unterkunft. Zum Nachtessen hatten wir schon die Daunenjacken an, geschlafen haben wir mit zig Schichten Kleidern, dank denen wir aber schön warm hatten. Wir sind zum Glück gut ausgerüstet.

Am dritten Tag sind wir zum Geothermalgebiet Sol de Mañana gefahren, dort gibt es viele Fumarole und kochende Schlammlöcher – und Schwefelgeruch. Später konnten wir in einer heissen Quelle baden und wir fuhren noch zur Laguna verde, die wegen Eis nun aber eher wie eine Laguna blanca aussah. An der Grenze hiess es Abschied nehmen von unseren Mitreisenden. In einer spärlichen Hütte bekamen wir den Ausreisestempel. 5 km weiter war der Grenzposten der Chilenen. Modernes Gebäude, moderne Büros, alles sehr organisiert. Plötzlich sind die Strassen geteert, man muss sich anschnallen in den Bussen, es gibt moderne Autos; der Unterschied könnte nicht krasser sein vom ärmsten Land Südamerikas zum reichsten.

2 Comments

  • Fernando 21. August 2017 at 15:06

    muy buenas historias. Las fotos impresionantes y divertidas.

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  • Mike 29. August 2017 at 22:15

    Si tambien el mar de sal – muy impresionante. Y la publicidad mas divertida de Pringles hasta ahora 🙂

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