Moai auf Rapa Nui

Grosse Rätsel haben mich schon immer fasziniert. Und auf Rapa Nui gibt es noch viele ungelöste Rätsel. Hier stehen sie, die unzähligen Moai, und niemand weiss wofür sie gebaut wurden und weshalb von scheinbar einem Tag auf den anderen damit aufgehört wurde. Es war seit Jahren mein Traum, hier hin zu reisen und es war ehrlich gesagt einer der Träume, die ich nicht zu verwirklichen glaubte. Deshalb habe ich die Osterinsel schnell auf meine must-see Liste gesetzt, als unser Entschluss, eine Weltreise zu machen, gefasst war. Man reist hier auch kaum hin, wenn man nicht sowieso über den Pazifik will. Die Insel ist einer der abgelegensten, bewohnten Orte der Welt; die nächste Insel Pitcairn ist 2’078 km entfernt, das Festland Chile’s (zu dem Rapa Nui politisch gehört) ist 3’833 km bzw. fünf Flugstunden weit weg.

Ihr könnt euch also vorstellen, dass meine Freude auf diese entlegene Insel riesig war, ich war schon Tage vorher ganz hibbelig. Wir hatten uns für eine Woche eine Cabaña gemietet. Im Unterschied zu den meisten Touristen, die nur zwei bis drei Tage bleiben hatten wir also jede Menge Zeit, die Insel in unserem Tempo zu erkunden. Hanga Roa, das einzige Dorf auf der Insel, hat ca. 6’000 Einwohner und ist somit überschaubar. Es gibt einige Läden, Restaurants und jede Menge Vermieter von Fahrzeugen. Wir haben die Insel zu Fuss, per Velo und Quad erkundet, was ein guter Mix war. Es gibt mehr als 2’000 archäologische Fundorte , langweilig sollte es uns also nicht werden.

Man geht heute davon aus, dass die Vulkaninsel um ca. 600 n. Chr. von Polynesien (womöglich den Marquesas) aus bevölkert wurde, aber auch ein Kontakt mit dem Festland Südamerikas ist nicht auszuschliessen. Das hat uns immer wieder beeindruckt, weil man hier wirklich total weit weg ist von allem. Innert weniger Jahrzehnte nach der Besiedelung ist die Bevölkerung beachtlich angewachsen und hat sich in etwa zehn Stämmen auf der ganzen Insel verteilt. Die Rapa Nui haben zwischen 1100 und 1700 n. Chr. über tausend Moai erstellt. Als ein holländischer Seefahrer die Insel am Ostersonntag 1722 entdeckt hat – deshalb der Name Osterinsel – waren bereits die meisten der Steinstatuen umgestossen worden. Einige davon wurden in den letzten Jahren restauriert und stehen heute wieder stolz vor den Bewunderern. Diese Kolosse sind im Durchschnitt 4 m hoch und 12.5 t schwer. Man geht davon aus, dass sie wichtige Ahnen darstellen und die Rapa Nui einen Ahnenkult verfolgten. In einigen wurden auch menschliche Überreste gefunden. Aber auch ein astrologischer Hintergrund ist möglich. Die allesamt männlichen Abbilder stehen jeweils auf einer Plattform aus Stein, meist nahe am Meer, den Blick Richtung Land, also dem Dorf zugewandt. Die Steinplattform (Ahu) ist mit einer Rampe aus mit runden Steinen besetzter Erde mit einer flachen Grasfläche verbunden. Einige Moai tragen einen Pukao – eine aus rotem Stein gehauene Kopfbedeckung. Was sie darstellt ist unklar; womöglich ein Hut aus Federn oder die zu einem Dutt gebunden Haare.

Den Entstehungsprozess kann man heute noch deutlich sehen. Beim Steinbruch Rano Raraku sind 396 Maoi in allen möglichen Fertigungsgraden zu sehen und bis vor ein paar Jahren lagen sogar noch die Werkzeuge daneben. Es ist, als hätten die Ureinwohner urplötzlich mit der Fertigstellung aufgehört. Als mögliche Ursachen werden Bürgerkriege oder Hungersnot genannt. Über 90% der Moai wurden aus dem Felsen beim Vulkan Ranu Raraku gehauen und von da aus über die Insel transportiert und bei dem jeweiligen Dorf aufgestellt. Auch wie sie transportiert wurden ist unklar. Die mündliche Überlieferung besagt, dass sie über Nacht mit Hilfe von Magie zu ihrem Bestimmungsort gelaufen sind. Die Wissenschaft sieht verschiedene Möglichkeiten: dass sie auf Schlitten gezogen wurden, auf Holzstämmen gerollt wurden oder aufrecht stehend mit Hilfe Seilen von einer Seite auf die andere gekippt und so schrittweise nach vorne bewegt wurden – ganz genau wird man das wohl nie wissen…

Schon auf dem Weg vom Flughafen fuhren wir an ein paar Moai vorbei. Abends gingen wir dann beim Ahu Tahai gleich ausserhalb des Dorfes den Sonnenuntergang schauen. Ich war beeindruckt von den Moai, die da standen. Ein grosser Traum hat sich in dem Moment erfüllt und ich war überglücklich – ein Gefühl, das die ganze Woche anhalten sollte. Mit dem Velo haben wir eine Runde erst der Küste entlang und dann im Landesinnern zurück zum Dorf gemacht. Wir kamen an einigen Ana (Höhlen) vorbei, die wohl nach der Abholzung der Insel als Wohnort (und zuvor als Schutzraum) dienten. Weshalb die Insel um 1300 n. Chr. innert ca. 100 Jahren komplett abgeholzt wurde, ist ein weiteres ungelöstes Rätsel. Ana Kakaenga, eine mittelgrosse Höhle mit zwei Räumen und je einem Fenster in den Klippen, auf’s Meer hinaus, hat uns sehr gut gefallen. Ganz alleine sassen wir da eine Weile, haben etwas gegessen und den Blick auf’s Meer genossen. Wir waren überhaupt mehr oder weniger alleine bei den Sehenswürdigkeiten. Viele Touristen hatte es momentan nicht auf der Insel. Das hat sehr zu der speziellen Stimmung beigetragen. Beim Ahu Tepeu konnten wir gut zwei umgekippte Moai erkennen – so müssen die früheren Entdecker die Insel vorgefunden haben. Zu Fuss sind wir zum Vulkan Puna Pau gelaufen, dort wurden die roten Kopfbedeckungen (Pukao) aus dem Stein gehauen. Noch heute liegen zum Transport fertige Exemplare im Gras herum. Auf einem anderen Vulkan, dem Rano Kau, hatten wir wunderschöne Aussicht auf den runden Kratersee. Die Biodiversität im Kratersee ist einzigartig. In der Nähe liegt Orongo, ein Ort, an dem der Vogelmannkult zelebriert wurde. Obwohl man heute weiss, dass die Ahnenverehrung mittels Moai und der Vogelmannkult eine Zeit lang parallel gelebt wurden, ist es möglich, dass diese neuere Religion die Erstellung der Moai abgelöst hat. In Orongo sieht man die restaurierten Häuser aus Stein, in denen die Rapa Nui während den religiösen Festen gewohnt haben. Mit dem Quad haben wir die weiter entfernteren Ziele der Insel besucht – und jede Menge Spass daran. Zum Sonnenaufgang sind wir zum Ahu Tongariki gefahren. Mit 15 Moai ist er der grösste Ahu der Insel und sehr eindrücklich. Die Moai haben dank der Sonne lange Schatten geworfen und wurden langsam immer mehr beleuchtet. Ein wunderschönes Spektakel. Hier konnte man gut erkennen, dass jeder Moai in Postur und Gesichtsausdruck einzigartig ist. Alle haben sie übergrosse Köpfe, grosse Augen und Nasen, dünne Lippen, die meisten haben lange Ohrläppchen, die arme eng am Körper und die Hände mit den überlangen, schmalen Fingern um den etwas dicklichen Bauch gelegt. Am Strand in Anakena haben wir uns in den Sand gelegt, ein Ahu mit einigen Moai und unzähligen Kokospalmen gleich hinter uns, Südseefeeling pur. Auf dem Nachhauseweg sind wir nochmals beim Ahu Tongariki die 15 Moai bestaunen gegangen – ein zu spezieller Ort um ihn nach einem halben Morgen schon genug gewürdigt zu haben.

Auf unseren Streifzügen hatten wir auch genug Zeit, eigene Theorien zu all den verbleibenden Rätsel zu überlegen (nicht ganz ernst gemeint!):

  • Wann wurde die Osterinsel besiedelt? – Wie besiedelt? Das ist der Nabel der Menscheit! Von hier aus wurde der Rest der Welt besiedelt.
  • Weshalb wurden plötzlich keine Moai mehr hergestellt? – Unia hat zum Streik aufgerufen.
  • Weshalb wurde die Insel abgeholzt? – Als die Cervelat erfunden wurde, machten alle allabendlich ein Lagerfeuer.
  • Wie wurden die fertigen Moai transportiert? – Sie sind beim nächsten Vulkanausbruch auf der fliessenden Lava mit geschwommen. Oder Obelix war hier.
  • Was stellt der Pukao dar? – die aufgehende Sonne (ähnlich wie bei den Inkas „Inti“ oder „Ra“ bei den Ägyptern).
  • Wieso wurden die Moai umgeworfen? – Obelix war wütend, weil er keinen Zaubertrank bekam.
  • Wieso stecken die Moai bis zum Rumpf im Boden? – Weil Super Mario zu viel auf ihnen rum gesprungen ist.

Der Abschied fällt mir schwer, auch wenn wir alles gesehen haben, was es zu sehen gibt. Wer spezielle Dinge mag, Orte, die mit archäologischen Rätseln verbunden sind, dem empfehle ich eine Reise auf die Osterinseln. Zugegeben, sie liegt alles andere als am Weg, aber die beschwerliche Reise lohnt sich wirklich. Tschüss Rapa Nui, Maururu – danke dass ich dich erleben durfte.

3 Comments

  • Meike 29. August 2017 at 10:06

    Hallo ihr 2!
    Wir haben Rapa Nui auch so erlebt und beim Lesen des Berichts und dem Anblick der Photos möchte ich direkt wieder hin! Euch eine tolle Zeit in Australien – und vergesst nicht, den Tasmanischen Teufeln einen Besuch abzustatten! Liebe Grüße!

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    • Melanie Maurer 29. August 2017 at 20:10

      Hallo ihr beiden!
      Stimmt, ihr ward ja auch auf Rapa Nui, hab ich ganz vergessen. Wir hoffen es geht euch gut. Liebe Grüsse von unterwegs.

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  • Robin 29. August 2017 at 15:21

    Hey ihr 2!
    Schön dass es euch immer noch gut geht.
    Die Osterinsel war auch für uns ein ganz spezieller Ort und wir sind froh, dort eine Woche verbracht zu haben!
    Passt weiter gut auf euch auf und genießt die Zeit!
    Robin

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