Down Under

Australien scheint von der Schweiz aus am anderen Ende der Welt zu liegen. So könnte man meinen, dass es von Chile aus kürzer sein müsste, denn schliesslich sind wir in den letzten acht Monaten schon einige Flugstunden nach Westen und unzählige Bus-Kilometer nach Süden gereist. Also sollte es doch ein Katzensprung nach Australien sein – Weit gefehlt. Wir flogen etwa gleich lange wie aus der Schweiz, 20 Stunden, von den Osterinseln via Santiago bis nach Sydney. Es ist aber faszinierend, über die Datumsgrenze zu reisen und auf einmal der Schweiz wieder voraus zu sein.

In Sydney trafen wir auf angenehme Frühlingstemperaturen und auf viel westliches, was uns schon etwas fremd geworden war: Die vielen Parfüm-Düfte, Fast-Food-Ketten an allen Ecken, warme Duschen mit Druck sind wieder Standard, das WC schluckt nicht nur das was schon durch den Magen ging, ist gratis und Toiletten-Papier muss man nicht selber mitnehmen, der Abfall wird wieder getrennt, Touren-Veranstalter holen einem fünf Minuten vor dem vereinbarten, statt 30 Minuten nach dem vereinbarten Termin ab, Autos halten, wenn man am Fussgängerstreifen steht, erstaunlicherweise geht in der Nacht auch nicht alle fünf Minuten ein Autoalarm los, aber leider musste auch das Tages-Budget um Faktoren erhöht werden. Beim Grüssen rutschte uns zuerst immer wieder ein „¡holà!“ über die Lippen. Wie so oft, gewöhnt man sich dann aber sehr schnell wieder an das, was uns ein Leben lang alltäglich war. Nur bei der Nicht-Verfügbarkeit und Langsamkeit vom Internet können die Aussies leider mit den Südamerikanern mithalten.

In Sydney kam dann der lang ersehnte Zeitpunkt, an dem wir Marcel und Doris, den Vater von Melanie und seine Frau, trafen. Für dreieinhalb Wochen begleiteten sie uns auf unserer Weltreise. An den ersten Tage genossen wir die Sehenswürdigkeiten von Sydney. Wir verstehen nun, dass man sich ab dem Opernhaus und der Harbour-Bridge kaum sattsehen kann. Aber auch sonst hat uns Sydney super gefallen. Für das Baden an den schönen Stadtstränden war es noch zu kalt, dafür waren sie auch noch beinahe leer. Bei den unendlich viele tollen Restaurants, Läden, sowie den ruhigen Parks und den freundlichen Bewohnern hätten wir es gut noch länger ausgehalten. Doch wir hatten ja noch einiges vor.

 

Mit dem Wohnwagen ging es von Sydney der Ostküste Entlang bis nach Cairns. Nachdem wir auf einem Zeltplatz einen Platz für einen Campervan reservierten und mit unserem sieben-Meter-Wohnmobil vorfuhren, verzog der Mitarbeiter des Zeltplatzes ziemlich die Miene. Seit da wissen wir, dass wir ein Motorhome und keinen Campervan haben. Das Motorhome hatte reichlich Platz für vier Personen. Die Campingplätze sind so gut ausgerüstet mit Sanitären Anlagen, Küchen, Barbeque-Stellen etc., dass wir einige Vorzüge unseres grossen temporären Zuhauses auf Rädern gar nicht brauchten.

Die Küste hat vieles zu bieten. Wir sahen viele schöne Strände und Küstenorte. Von den Surferstränden in Byron Bay und Surfers Paradise über die weissen Strände auf Whitsunday bis zu den einsamen, wilden Stränden auf Fraser Island oder nördlich von Cairns, in Port Douglas und Cape Tribulation. Dort war es zwar schon schön warm, das Baden liessen wir aber trotzdem sein. Schliesslich schwimmen dort im Wasser gefährliche Süsswasserkrokodile. Ein gutes Beispiel für die Gastfreundschaft der Australier sind Jim und Patricia. Wir trafen die beiden pensionierten Australier auf Galapagos und tauschten die Nummern aus. Als wir kurz vor ihrem zu Hause in Gold Coast waren, mailten wir ihnen. Einige Tage später waren wir bei ihnen eingeladen. Sie zeigten uns ihr Haus, kochten für uns Nachtessen und Jim lud uns ins Wildlife Sanctuary ein, wo er als Volunteer arbeitet. Er führte uns durch den Park wo wir viele australische Tiere sahen. Vor allem die Koalas und Kängurus waren ein Höhepunkt, denn diese sahen wir in der Natur höchstens überfahren am Strassenrand liegen. Wild lebende Tiere gefallen mir da viel besser: Die Delfine bei Byron Bay spielten in den Wellen. Beim Whale-Watching auf dem Schiff in Hervey Bay sahen wir viele Pottwale. Sie ziehen dort ihre Kleinen auf, füllen sich die Bäuche oder spüren den australischen Frühling und kämpfen um die Weibchen. Auf einer Bootstour im Daintree Forest sahen wir Krokodile.

Zwischendurch machten wir auch einige Abstecher ins Hinterland. Direkt nach Sydney verkosteten wir auf diversen Weingütern im Hunter Valley die feinen Tropfen. Ob Shiraz, Cabernet Sauvignon, Merlot, Sauvignon Blanc, Chardonnay – wir genossen fast jeden Abend zu viert einen australischen Wein zu unseren feinen selbstgekochten Köstlichkeiten. Auch die Glass House Mountains im Hinterland und die Wasserfälle, Seen, Felder und Hügel bei den Tablemountains hinter Cairns waren ein schöner Kontrast zur Küste.

Neben Sydney besuchten wir auch die Stadt Brisbane. Das ist bestimmt ein toller Ort zum leben und arbeiten, touristisch bietet es aber nicht sehr viel. Andere Städte und Ortschaften wie Byron Bay, Gold Coast, Hervey Bay, Airlie Beach, Port Douglas und Cairns leben vor allem vom Tourismus. Hier findet man sehr viele Ausgangsmöglichkeiten, Restaurants, Unterkünfte und Tourenveranstalter. Rückblickend hat uns von diesen Ortschaften Byron Bay am besten gefallen. Da dies wir jedoch zu Beginn unserer Reise dort waren und die Distanz bis nach Cairns noch sehr lange schien, blieben wir nur einen Tag dort.

Danach war die Zeit mit Marcel und Doris schon wieder vorbei und wir mussten uns in Cairns von ihnen verabschieden. Marcel & Doris: es war schön, dass ihr uns am anderen Ende der Welt besucht habt um diesen Teil der Reise mitzuerleben!

 

In den letzten Tagen in Cairns erfüllten wir uns noch den grossen Wunsch, das Great Barrier Reef zu sehen. Wir waren zwei Tage auf einem Boot im Riff und waren davon so viel wie möglich unter Wasser. Beim Tauchen und Schnorcheln konnten wir die eindrückliche Korallenriffe mit ihren Bewohnern bestaunen. Es ist einfach unglaublich schön und unbedingt zu empfehlen. Beim Schnorcheln aus Whitsunday sahen wir, wie das Riff durch den Zyklon Debbie beschädigt wurde. Wir hoffen, dass das ganze Great Barrier Reef geschützt wird und sich auch wieder erholt, dort wo es nicht mehr so intakt ist. So dass auch andere Touristen dieses Wunder in vielen Jahren noch bewundern können.

 

3 Comments

  • Doris 28. September 2017 at 14:55

    Wunderschön isches gsieh – mer händ so vieli idrück vo Australie dürfe heinäh – die lang reis isches uf jede fall wert gsieh. Viele Dank für die tolli zyt womer zäme verbracht händ.

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  • Carlos 28. September 2017 at 17:25

    Ohh super Erfahrung dass ihr geschrieben habt. Irgendwann fliege ich nach Australien .

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  • André Maurer 3. November 2017 at 11:50

    Dieser spannende Dokumentationsfilm zeigt, wie bedroht die Korallenriffe sind: https://www.youtube.com/watch?v=Okt_MDQj6_4

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