Ein Veloschloss auf Weltreise

Gestatten, ich bin Melanie’s und André’s Veloschloss. Vor ihrer grossen Reise haben sie lange über mich diskutiert. Ich war nicht sicher, ob ich wie viele andere Gegenstände im Abfall oder im Storage Room landen würde und war hoch erfreut, als ich dank André’s Argumentation in seine grossem Rucksack landete. Seine Unterstützung hatte ich aber auch verdient, schliesslich habe ich in Vergangenheit viele Stunden seine Velos bewacht. Ich freute mich auf das Abenteuer und war mir sicher, die beiden im „bösen“ Südamerika tatkräftig zu unterstützen und auf ihr Gepäck aufzupassen in Hostels, Bussen und Zügen. Leider verbrachte ich die ganze Zeit mit Kleidern und anderem Kram in den tiefen von André’s Rucksack in ständiger Dunkelheit. Ich hatte mir dieses Abenteuer anders vorgestellt. Ich war neidisch auf die Velohosen, die normalerweise mit mir ein gleich langweiliges Dasein fristeten, aber wenigstens ein paar mal den Rucksack verlassen durften. Sie erzählten mir dann jeweils, wie schön es draussen ist und ich träumte von mehr Freiheit. Als es dann Richtung Australien ging, war ich wieder mehr im Gespräch. Ich freute mich, dass die beiden mich nicht ganz vergessen haben, war dann aber tieftraurig als ich vernahm, dass sie mich nach Hause schicken wollten. Bezeichnungen wie „unnütz“, „zu schwer“ und „zu sperrig“ taten mir weh. Ende September wurde ich in Marcel und Doris‘ Rucksack umgeladen und reiste mit den beiden zurück in die Schweiz. Es war auch in deren Gepäck dunkel und ich war traurig.

Am Dammweg in Boswil fand ich mich mit meinem Schicksal ab und hatte vor, Geduldig zu warten, bis die beiden wieder nach Hause kamen und ich meine ursprüngliche Arbeit als Bewacher von André’s Mountainbike wieder aufnehmen durfte. Es kam anders. Die beiden vermissten mich doch! Sie hörten, dass in indischen Zügen ein Veloschloss absolut unabdingbar ist. Ich machte Freudensprünge, ich sollte also etwas von Indien sehen! So wanderte ich mit Maria nach Delhi. Wieder sass ich in einem dunklen Gepäckstück, doch diesmal mit einem Lächeln im Gesicht. Ich zog wieder ein, neben André’s Velohosen, die sich übrigens beklagten, dass sie schon lange nicht mehr draussen waren. Ich wartete auf meinen ersten Einsatz und war enttäuscht, als ich die erste Zugfahrt zwar in André’s Tagesrucksack verbrachte, aber kein einziges Mal zum Einsatz kam. So verliefen auch die nächsten Zugfahrten. Ich fühlte mich verlassen und war traurig, wenn ich jeweils hörte, wie schön es die beiden haben in Hongkong und Thailand. In Malaysia wurde ich unerwartet ausgepackt und ich fragte mich schon, was nun los ist. Doch die Freude war von kurzer Dauer. Ich sah bloss ein paar Strassen und wurde dann zusammen mit ein paar Souvenirs und einem halb kaputten Rasierer in ein Paket gesteckt und per Post nach Hause geschickt… Nun wohne ich bei Nicole in Erlinsbach. Es ist schön hier, manchmal kann ich Lara und Zoey beim Spielen hören. Ich hoffe, Melanie und André kommen bald nach Hause und vergessen mich nicht.

 

2 Comments

  • Marcel Grab 15. April 2018 at 14:56

    Wenn ich gespührt wie einsam Du bist, hätte ich Dich doch bei Deinem kurzen Aufenthalt bei uns auf ein Ausfahrt mitnehmen können. Dann hätte ich Dich beauftragt, mein Rennrad beim Zwischenhalt zu bewachen. Ich weiss ja nicht wie Du es mit Rennrädern hast, aber wichtg wäre ja gewesen, hinten am Rahmen mitzfahren und den Fahrtwind zu spüren. Vielleicht halt nicht mehr so schnell wie mit Andre, aber doch dabei.
    Nun wünsche ich Dir auf dem Rest der Reise doch noch mal zum Einsatz zu kommen! Ansonst schau einfach, dass die beiden gut wieder mal nach Huse kommen. Wir vermissen sie auch.

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    • Melanie Maurer 23. April 2018 at 8:00

      Lieber Marcel, Rennräder, Mountainbikes, Koffer… Ich bin total flexibel. Und das gute beim Rennrad ist: es holpert nicht so wie beim Mountainbike. André fährt da ja zum Teil schon recht schnell und ich muss manchmal die Augen schliessen und mich ganz fest festhalten. Liebe Grüsse, das Veloschloss

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