Der Muskatnuss auf der Spur

Nachdem wir Gorontalo fluchtartig verlassen hatten, waren wir froh, dass die Visumverlängerung in Ambon problemlos innert zwei Tagen funktionierte. So konnten wir bereits einen Tag früher als geplant mit der Pelni-Fähre Richtung Banda Neira aufbrechen. Wir hatten uns auf chaotische Zustände und grosses Gedränge gefasst gemacht, doch die Fähre war halb leer und wir konnten an Bord sogar noch eine private „first class“ Kabine buchen. Wobei nur der Name erste Klasse war, wir teilten sie mit ein paar Kakerlaken. Wenigstens hatten wir eine Toilette für uns, konnten unser Gepäck sicher im Zimmer einschliessen und uns so auch mal auf dem Schiff bewegen während den zwölf Stunden Überfahrt.

 

Auf den Banda-Inseln hatten wir vor zu tauchen, zu schnorcheln und die Inseln zu entdecken. Nach der Ankunft trafen wir die Meeresbiologin Mareike und entschieden uns ganz spontan, einen Eco Tauchkurs zu machen und uns in Sachen Korallenriffen und deren Bewohner weiterzubilden. So starteten wir am nächsten Tag den Kurs, zusammen mit Blair, den wir auf der Pelni-Fähre kennengelernt hatten. Die ersten drei Tage hatten wir morgens jeweils Theorie und gingen nachmittags tauchen, an den letzten beiden Tagen machten wir richtige Untersuchungen von zwei Riffen für eine Organisation namens Reef Check. Diese sammelt Daten zum Gesundheitszustand von Korallenriffen weltweit. Dazu legt man ein 100m-Messband in zehn respektive fünf Meter Tiefe aus und zählt dann bestimmte Fische, wirbellose Tiere, führt Buch über kranke Korallen und bestimmt die Art des Untergrunds alle 50 cm (Hartkoralle, Weichkoralle, Schwamm, usw.). Es war harte Arbeit aber machte Spass und wir lernten viel und wir haben alle die dreiteilige Prüfung bestanden.

 

Danach hatten wir noch genügend Zeit, die Bandas zu entdecken. Leider war der Wellengang so hoch, dass wir unsere geplanten Besuche auf den Inseln Ay, Run und Hatta streichen mussten. Dafür genossen wir Banda Neira umso mehr. Die Inseln haben eine blutige Geschichte hinter sich. Früher wuchs nur hier die Muskatnuss. Ein Gut, das im 17. Jahrhundert mehr Wert war als Gold! Lange war der Ursprung der Muskatnuss ein Geheimnis. 1599 kamen die ersten Holländer auf den Banda-Inseln an und sie versuchten, ein Handelsmonopol mit Verträgen zu erreichen. Als dies nicht funktionierte, rissen sie 1620 die Macht gewaltsam an sich. Sie brachten praktisch die ganze lokale Bevölkerung um, schafften Sklaven aus anderen Teilen Indonesiens als Arbeitskräfte auf die Inseln und kontrollierten fortan den Handel der sogenannten Gewürzinseln. Doch auch die Engländer waren vor Ort, sie besetzten die Insel Run. 1665 tauschten die Engländer und die Holländer Run gegen Manhatten: die Engländer verliessen Run und alle Muskatbäume auf Run wurden zerstört. Doch das Imperium der Holländer war nicht von ewiger Dauer. Ein Franzose hatte 1770 Setzlinge der Pflanze geklaut und sie auf Mauritius angebaut. Die Engländer eroberten die Banda-Inseln 1811 zurück und begannen daraufhin, Muskat in anderen Kolonien anzubauen. Das war der Anfang vom Ende der holländischen Monopolstellung. Noch heute hat man das Gefühl, die Holländer hätten die Insel gestern verlassen. Überall sieht man Kolonialbauten und die Burgruinen der Holländer sind unübersehbar. Wir waren bisher in eher wenig bereisten Gebieten Indonesiens unterwegs. Hier fällt man als Ausländer auf und alle grüssen und winken einem zu. Viele rufen „Hello Mister“, ganz egal, ob wir zu zweit, André alleine oder ich als Frau alleine durch die Strassen gehe; das finden wir immer wieder lustig. Man trifft auch komisches an: hier werden die Bibeli gefärbt zum Verkauf angeboten. Das soll die Aufmerksamkeit der Kauflustigen auf sie ziehen. Ob sie dann auch farbige Eier legen?

 

Wir machten eine Gewürztour mit Ayu auf der benachbarten Insel Banda Besar. Wir besuchten die Muskatnuss-Plantagen, die heute noch der wichtigste Wirtschaftszweig der Inseln sind. Die Bäume wachsen im Schatten der grossen Kanari-Bäume (eine Art Mandel). Wenn die Muskatfrüchte aufspringen und man das läuchtend rote Macis-Netz um die Nuss sieht, werden sie geerntet, getrocknet und verkauft. Überall liegen Muskatnüsse und Macis-Netze am Boden, um in der Sonne zu trocknen. Der Duft verteilt sich in den Strassen. Hier wird auch das helle Fruchtfleisch der Muskatnuss verwertet. Man verarbeitet dieses zu Marmelade, zu Sirup oder man kandiert es. Die Früchte werden auch in der lokalen Fischsuppe mit gekocht. Lecker! Wir wünschten uns, man könnte diese ganze Frucht auch in der Schweiz kaufen. Sie schmeckt sauer und gleichzeitig leicht süss, fruchtig und trotzdem nach Muskatnuss. Wir haben 1’000 Ideen, was man damit alles machen könnte.

 

Auch am Flughafen waren wir. Hier kommt nur zweimal wöchentlich ein Flieger an. Sonst wird die Landebahn als Strasse benutzt. Wenn ein Flugzeug im Anflug ist, ertönt ein lauter Alarm, dann ist die Benützung als Strasse verboten.

 

André hat mit Simon und Blair noch eine Wanderung zum Vulkan auf der benachbarten Insel Api gemacht. Es war ein anstrengender Aufstieg auf losem Geröll, doch die Aussicht war traumhaft.

 

Nun kommt unsere Zeit auf Banda Neira dem Ende entgegen. Wenn wir Glück haben, fährt morgen eine Fähre zurück nach Ambon. Die Verkehrsverbindungen von und nach Banda sind tückisch und es braucht viel Geduld. Zum Glück sind wir nicht so im Stress wie andere Reisende, die ihre Langstreckenflüge erreichen müssen und Probleme damit haben, wenn reihenweise Schnellfähren, Pelni-Fähren und Flüge ausfallen.

4 Comments

  • Andy 15. Mai 2018 at 2:53

    What a great experience! It will be on my list of places to visit. Travel safe and I will wait for your next installment!

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    • Melanie Maurer 16. Mai 2018 at 10:26

      Thanks Andy! Hope you are doing fine further north.

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  • Blair 21. Mai 2018 at 8:36

    Wasfur ‘ne trip huh!!

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    • Melanie Maurer 23. Mai 2018 at 11:58

      Wunderschön war es auf Banda! War schön, die Zeit da mit dir zu verbringen. Und danke für die Japan-Tipps!

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