Mit chinesischen Touristen unterwegs

Wir starteten unsere China-Reise nicht in einer der grossen Mega-Metropolen Peking, Shanghai oder Hongkong, sondern flogen direkt nach Guilin. Damit will ich nicht sagen, dass Guilin ein Provinzort ist. Schliesslich ist die Stadt mit 4.7 Millionen Einwohnern für unsere Verhältnis immer noch riesig und wie im ganzen Land entstehen überall neue Stadt-Teile mit Hochhäusern.

Man merkt, dass dieser Ort, wie auch die weiteren Destinationen aus diesem Bericht, auf den meisten Reiserouten von „Westlern“ fehlen, wohl wegen dem engen Reiseplan und den weiten Distanzen. Das heisst aber nicht, dass wir die Sehenswürdigkeiten für uns hatten. Die Chinesen reisen sehr gerne und besuchen ihre wunderschönen Naturschätze zu Millionen. Sie haben es gar nicht nötig westliche „Rundaugen“ in diese Regionen zu locken. Wir sind uns diese Massen nicht mehr gewöhnt. Stundenlanges anstehen an Ticketschaltern, Bootsstegen, Gondelbahn- und Busstationen oder Aussichtspunkten. Schlussendlich lohnte sich das Anstehen aber immer und wir merkten schnell, dass die Chinesen nicht gerne laufen. Sobald es eine Attraktion gibt, wo man etwas laufen muss, ist es sofort viel ruhiger.

Nachdem wir am ersten Tag die Reisterassen in Longsheng von Guilin aus besuchten, ging es am zweiten Tag mit einer Tour auf dem Fluss „Li Jiang“ nach Yangshuo. Die Karst-Landschaft rund um den Fluss ist wirklich sehr schön. Der Fluss selber ist mit Bambusbooten überfüllt. Wir wurden auch wieder einmal mehr bestätigt: Gruppentouren mit einem Guide mit Fähnchen und Non-Stop-Informationen aus dem knisterndem Mikrofon, im besten Fall in unverständlichem Englisch, gehören nicht zu unseren Lieblingsbeschäftigungen. Lieber organisieren wir einen Transport und laufen dann bei der Sehenswürdigkeit selber umher und lesen die Informationen aus Reiseführer und Wikipedia.

 

Schon nach zwei Nächsten in Yangshuo ging es weiter nach Fenghuang. Gegenüber unserer bisherigen Reise geht es in China viel schneller voran. Wir blieben an keinem Ort länger als zwei Nächte. Das Vorausplanen ist für uns eine ziemliche Umstellung. Dies ist aber notwendig wegen den vielen Attraktionen, die das grosse Land bietet, dem Fakt, dass wir nur ein 3o-Tage-Visum erhalten haben und auch dadurch, dass wir die Transporte genug viel im Voraus planen müssen. Die Züge sind sehr gut ausgebucht. Die Zugreisen in China sind aber super. Mit den Bullet-Trains (Hochgeschwindigkeitszügen) können wir in kurzer Zeit lange Distanzen überbrücken ohne fliegen zu müssen.

Fenghuang hat eine Altstadt, durch die ein Fluss fliesst. Touristen schlendern durch die Gassen, steigen über die Pfeiler im Fluss, machen Erinnerungsfotos in gemieteten Trachten, bewundern die vielen Lichter bei Nacht und geniessen das Nachtleben in den Bars. Uns hat dieser Ort sehr gut gefallen und wir wurden vom Hotelmanager so gut betreut. Wie die meisten Chinesen spricht er kein Wort englisch. Mittels Übersetzungs-App hatten wir aber längere Konversationen. Wir wüssten nicht, was wir ohne diese Hilfsmittel machen würden. Die Kommunikation ist oftmals ein Knackpunkt. Mit unserer App übersetzen wir Speisekarten, Strassenschilder und vieles mehr. Nicht immer werden wir schlau aus den Übersetzungen, aber geholfen hat es bisher trotzdem. Dass so wenige Chinesen englisch sprechen, zeigt wie gut man in China isoliert leben kann. Ich finde es erstaunlich wie viel „eigenes“ es in China gibt. So viele Autos sind von chinesischen Herstellern, von denen ich noch nie etwas gehört habe, dass Visa oder Mastercard akzeptiert wird ist eher die Ausnahme und WhatsApp gibt es nicht, anstelle wird mit WeChat kommuniziert und bezahlt. Natürlich müssen wir auch für Facebook, Google oder internationale News immer zuerst unsere VPN-Verbindung in die Schweiz aufbauen. Die Kritik über die Informationsfreiheit ist ja bei uns bekannt, leider aber nicht, wie sauber China ist. Wir sind erstaunt, wie wenig Abfall rum liegt und wie viele Elektroautos und -töffe unterwegs sind.

 

Als weitere Destination besuchten wird Zhangjiaje. Diese Stadt war der Ausgangspunkt für Touren im gleichnamigen Nationalpark. Die Landschaft dort diente als Inspiration für den Avatar-Film und die Felsen wirken wirklich so surreal wie im Film.

Nur zu gerne wäre ich mit dem Rennvelo den Tianmen-Mountain hoch gefahren. Die 99 Kurven wären perfekt dazu geeignet. Leider ist die Strasse nur für die Touristenbusse offen. So musste ich mit dem Bus hoch. Bei den 999 Stufen zum Himmelstor kam ich dann aber doch noch ins Schwitzen. Der Spaziergang über die Glasplattform löste bei mir keinen Angstschweiss aus, ist aber bestimmt nichts für Leute mit Höhenangst.

1 Comment

  • Marcel 6. August 2018 at 8:16

    Danke für die schönen Eindrücke! Soll ich das Rennvelo schon schmieren, damit es bereit ist wenn Ihr zurückkommt? 😉

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