China – von Xi’an bis zur Chinesischen Mauer

In Xi’an hatten wir nur zwei Tage Zeit. Am ersten Tag waren wir beide so erkältet, dass wir recht schlapp waren und uns nur mühsam durch den muslimischen Stadtteil und zur Stadtmauer schleppten. Die Mischung von feuchtheissem Klima bei denen man ständig schwitzt, und den Klimaanlagen war zu viel für uns – erholen war angesagt. Am nächsten Tag ging ein Traum in Erfüllung: wir besuchten die berühmte Terrakotta-Armee, die der ehemalige Herrscher Qin Shi Huang für sein Grab anfertigen liess, um auch im Jenseits als Herrscher tätig zu sein. Ein imposantes Werk, das 1974 entdeckt und immer noch ausgegraben wird – von den vermuteten über 7300 Kriegern ist nur etwa ein Drittel sichtbar. Die Krieger sind lebensgross, jeder sieht anders aus als der andere. Auch viele Pferde mit Wagen wurden aus Terrakotta nachgebaut. Wir mussten uns den bekanntesten Blick in Halle 1 aber hart erkämpfen: auch hier hatte es tausende chinesische Touristen.

 

Mit dem Schnellzug fuhren wir in knapp vier Stunden ins 700 km entfernte Chengdu, einer weiteren Millionenstadt (14.5 Mio.), die die Einheimischen aber als klein bezeichnen. China ist mit 1.4 Milliarden Einwohnern der bevölkerungsreichste Staat der Welt. Es gibt 90 Städte mit 5 – 10 Millionen Einwohnern und sage und schreibe 170 Städte mit 1 – 5 Millionen Einwohnern. Dimensionen, die schwer zu fassen sind. Wir gehen Tiere eigentlich lieber in freier Wildbahn anschauen aber bei den Pandas ist das schwierig: es ist praktisch unmöglich, diese Tiere zu sehen weil sie so scheu sind. Also machten wir uns auf in die Zoo-ähnliche Forschungs- und Zuchtstation. Anstehen und drängeln beim Ticketschalter, das gleiche beim Eingang (obwohl wir vor Eröffnung, also um 07:00 Uhr morgens da waren!). Am schlimmsten war es in den Hallen. Da es bereits frühmorgens über 26 Grad heiss war, ziehen die Pandas die klimatisierten Hallen den Aussenbereichen vor. Also drängeln alle Besucher in die paar Hallen, um die Tiere zu sehen. Es wird geschoben, gedrückt, der Lärmpegel ist ohrenbetäubend. Meist schieben die Chinesen dabei ihr Einzelkind (Einkind-Politik von 1979 bis 2016) vor sich her, halten es an den Schultern fest und schieben es ohne Rücksicht auf Verluste durch die Menschenmenge, denn es soll ja von allen die beste Sicht haben. Egal wo man steht, egal ob es Platz hat oder nicht, das Kind wird mit voller Kraft nach vorne geschoben. Wenn man dann mal zuvorderst steht und den Blick auf die Pandas (mehr oder weniger) geniesst, wird einem aus der zweiten Reihe bestimmt ein Handy vor die Nase gehalten. Chinesen fotografieren (sorry) jeden Scheiss, alle paar Sekunden. Es gab nur eine Lösung: Ellbogen raus und auch drängeln. Es war bei allen Sehenswürdigkeiten so, aber hier bei den Pandas empfand ich es am schlimmsten. Die Tiere waren aber sehr süss und wir hatten Glück und sahen doch noch ein paar in den Aussenbereichen und mit weniger Gedränge.

Da wir eine Pause von den drängelnden Menschenmassen brauchten und wir keine Lust hatten, zwei bis drei Stunden anzustehen um den grossen Buddha in Le Shan zu sehen, entschieden wir uns, stattdessen einen Kochkurs zu machen. Erst gingen wir zum Markt, wo es alles mögliche und unmögliche (Kröten etc.) zu kaufen gab. Dort degustierten wir auch das chinesische Feuerwasser, das mir sehr gut schmeckte – es hatte aber seinen Effekt, denn es war erst 09:30 Uhr und wir hatten kein Frühstück vorher. Dann kochten wir in einem schönen Innenhof ein paar Szechuan-Gerichte, die auch bei uns bekannt sind. Den Nachmittag liessen wir im People’s Park im Teehaus ausklingen und erlebten echte chinesische Park-Kultur: es wurde gesungen, getanzt, man spielte Karten oder machte Turnübungen.

 

In Shanghai wohnten wir mal wieder in einem Airbnb. Wir machten typisches Touristen-Sightseeing: Der Bund mit den alten Gebäuden, die Yuyuan-Gärten, die mehr „Stein“ als „Garten“ sind, die Einkaufsmeile East-Nanjing, die alten Gassen in Tianzifang etc. Natürlich genossen wir auch den Anblick der Skyline. Shanghai ist mit über 24 Millionen Einwohnern die grösste Stadt China’s und sie ist in den letzten 20 Jahren extrem gewachsen. André war mit der Fachhochschule vor 14 Jahren hier. Wir standen am Bund und verglichen die Skyline auf dem Foto von damals mit der von heute: die Veränderung ist enorm. Die Stadt ist zwar riesig, aber das U-Bahn-System sehr gut, man kommt schnell und gut voran. Trotzdem machten wir täglich mehr als 18 km zu Fuss – Städte besichtigen ist anstrengend.

 

In Beijing suchten wir erstmal eine Wäscherei, während 3 Stunden, vergeblich. Es ist schwierig wenn man nichts lesen und mit niemandem kommunizieren kann. Auch in anderen Ländern konnten wir zum Teil die einheimische Sprache nicht, aber mit Zeichensprache hat vieles trotzdem funktioniert. Aber Zeichensprache kennen die wenigsten Chinesen. Auch ist es schwierig anhand der Betonung oder ihrer Mimik herauszuhören, ob sie etwas verstanden haben oder nicht. Die kulturellen Unterschiede sind hier am besten spürbar. Es gab zwar ein paar Einheimische, die sehr hilfsbereit sind, aber oftmals waren sie ungeduldig und uninteressiert; nicht sehr charmant. Wir gaben auf und gingen stattdessen zum Schneider, um für André ein paar Hemden und Anzüge machen zu lassen. Der Besuch der verbotenen Stadt fiel beim ersten Versuch ins Wasser: es waren alle 80’000 Tickets ausverkauft. Wir besuchten den Sommerpalast und den sehr schönen Lama-Tempel. Wir gingen ins Olympia-Gelände, um das Vogelnest-Stadion der schweizer Architekten Herzog & De Meuron anzuschauen, wir schlenderten durch Hutongs – Peking’s alte Gassen, die dem Bauboom trotzen konnten und wir gingen zum riesigen Tian’anmen-Platz. Natürlich liessen wir uns auch die Chinesische Mauer nicht entgehen. Da wir keine Lust hatten, die Mauer mit tausenden chinesischen Touristen zu teilen, buchten wir eine Wandertour in einer Gruppe und es hat sich gelohnt: Wir fuhren drei Stunden mit dem Car Richtung Norden und wanderten dann vier Stunden auf einem nicht restaurierten Teil der Mauer und sahen nur eine andere Gruppe. Am letzten Tag gingen wir dann doch noch in die verbotene Stadt, wir hatten Tickets online gebucht. Das Gelände ist riesig, mit vielen schönen Gebäuden. Von hier haben mehrere Herrscher China regiert und der Name kommt daher, weil früher der Zugang nur der Herrscherfamilie gestattet war.

 

Nach drei Wochen verabschieden wir uns von China. Ein riesiges Land, mit vielen Einwohnern,  unglaublich vielen einheimischen Touristen und vielen schönen Sehenswürdigkeiten. China war überraschend sauber und macht sich mehr Gedanken zur Ökologie, als ich es erwartet hätte. Aber es war auch anstrengend in einem Land herumzureisen, in dem man weder die Sprache sprechen, noch etwas lesen kann. Nun freuen wir uns auf die menschenleere Mongolei.

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