Uzbekistan – ein Märchen aus 1001 Nacht

Unser Flug von Ulaanbaatar nach Tashkent war mit Umsteigen in Peking gebucht. Wir hatten dreieinhalb Stunden Zeit dafür und mussten uns am Schluss beeilen, dass wir es auf den Anschlussflug schafften. Der Flughafen Peking ist schlecht organisiert und anstehen bei Immigration, Emigration, Check-in etc. dauert ewig. Das böse Erwachen kam in Tashkent: wir warteten und warteten am Gepäckband, aber unsere zwei Rucksäcke waren nicht angekommen. Wir meldeten uns am Lost and Found und wurden vertröstet. Es war 06:00 Uhr morgens, müde gingen wir ins Hostel und ins Bett.

In Tashkent hatten wir zwei Tage Zeit, um uns ein paar Sachen zu kaufen und die Stadt zu besichtigen. Tashkent – ein Ort, den wir nicht wirklich kannten bevor wir uns damit auseinander setzten – oder höchstens als Sitz der Nahost-Korrespondenten vom SRF („und jetzt live nach Tashkent zu unserem Nahostkorrespondenten Werner van Gent“). Die Stadt ist recht modern, zu sehen gibt es nicht viel. Wir haben den Bazaar besucht und sind quer durch die Innenstadt gelaufen. Und wir versuchten Geld zu beschaffen. Man liest überall, dass man mit genügend USD Bargeld nach Uzbekistan reisen soll. Da wir von der Mongolei her kamen, war das etwas schwierig. Die Suche nach einem Bankomaten, der Visa akzeptiert, funktioniert und auch mit Geld gefüllt ist, stellte sich selbst in Tashkent als langwierig und schwierig heraus. Ebenfalls dauerte es einen Moment, bis wir eine Bank fanden, die die USD dann auch in die lokale Währung Söm umtauschen wollte.

Während unser Gepäck in Tashkent ankam, sassen wir schon im Nachtzug nach Nukus ganz im Norden des Landes. Timur – ein Tourenanbieter aus Tashkent – hat uns geholfen und dank ihm konnten wir das Gepäck am nächsten Tag in Nukus am Flughafen abholen. Endlich wieder frische Kleider anziehen…

Von Nukus aus hatten wir einen zweitägigen Ausflug zum Aralsee geplant – oder was noch davon übrig ist. Wegen den gross angelegten Monokulturen von Baumwolle in Kazakhstan und Uzbekistan und dem damit verbunden Wasserverbrauch zum Bewässern der Felder, fehlen dem Aralsee die Zuflüsse und er trocknet immer mehr aus. Mit 68’000 Quadratkilometer war er einmal der viertgrösste Binnensee der Erde. Das Wasservolumen reduzierte sich um 90% und gleichzeitig hat sich der Salzgehalt vervierfacht. Das zurückbleibende Salz und die giftigen Partikel der im Baumwollanbau eingesetzten Herbizide steigen wegen der vorherrschenden Winde bis in die Stratosphäre auf und verteilen sich bis zur Arktis und Antarktis. Die Felder sind versalzen und somit unbrauchbar, es gibt Fehlbildungen, eine hohe Kindersterblichkeitsrate, Anämie wegen Mangelernährung etc. – eine der grössten, vom Menschen verursachte Umweltkatastrophe, die wegen dem eisernen Vorhang bis 1990 geheim gehalten wurde. Aber auch seit der Öffnung hat sich nicht viel getan. Uzbekistan hält an den Monokulturen fest. Verrückt, wie andere Länder die Umwelt zerstören, damit wir billige Baumwollkleider kaufen können, und wir dann wiederum viele Steuer- und Spendengelder dafür ausgeben, um die betroffenen Bevölkerung zu unterstützen. Ist der Menschheit noch zu helfen?

Wir waren mit einem Jeep unterwegs und besuchten unter anderem den Schiffsfriedhof in Moynaq, einem ehemals florierenden Fischerort am Aralsee. Die Schiffe liegen nun auf dem Trockenen und man fährt von hier unglaubliche 100 km über ausgetrocknete Landschaft, bis man dann schliesslich am Aralsee ist. Unterwegs besuchten wir Gräber früherer Nomaden und die Ruine einer ehemaligen Fischverarbeitungsfabrik die früher an der Küste lagen.

 

Unser nächster Halt war Khiva, ein Ort mit einer kleinen Altstadt mit unzähligen ehemaligen Medressen (islamische Hochschule), Palästen und Karawansereien (Übernachtungsstation an einer Karawanenstrasse) – wie aus einem Märchen aus 1001 Nacht. Wir waren erstaunt über die vielen Reisegruppen mit älteren europäischen Touristen. Wir mussten sogar die Restaurants reservieren, weil es sonst schwierig war einen Platz für’s Nachtessen zu finden – völlig ungewohnt. Shem, der Sohn Noah’s, soll hier einen Brunnen gefunden und die Oasenstadt gegründet haben. 1220 wurde sie von Chinggis Khan erobert, im  16. Jahrhunder wurde vor allem Sklavenhandel betrieben. Wir haben mit Munisa eine Stadtführung gemacht. Sie konnte ihr Deutsch praktizieren – sie studiert in Urgench, hat erst vor drei Jahren angefangen Deutsch zu lernen und spricht sehr gut – und wir sahen einige Plätze, die wir ohne sie nicht gefunden hätten. Khiva hat uns sehr gut gefallen. Auf dem Weg zum Bahnhof in Urgench besuchten wir noch Elliq-Qala, die 2000-jährigen Ruinen alter Festungen, die die sesshaften Oasenbewohner von Khorezm vor Überfällen der Nomaden schützten.

 

Mit dem Zug fuhren wir nach Bukhara. Im Zug unterhielten wir uns mit den Einheimischen – so gut es halt ging in Englisch. Die Uzbeken sind extrem nett und hilfsbereit und immer sehr erfreut, wenn sie erfahren, dass wir aus „Schwitzaria“ sind und ihr Land bereisen. In Bukhara hatten wir alle Zeit der Welt, die schönen Sehenswürdigkeiten zu besuchen. Früher gab es hier mehr als 350 Moscheen und 100 Medressen mit über 10’000 Studenten, zahlreiche Marktplätze und Karawansereien. Beeindruckend fand ich, dass Juden die Hauptmoschee abends früher als Synagoge verwendeten – ein schönes Beispiel für die religiöse Toleranz, die damals in Bukhara herrschte. Wir wohnten zuerst in einem einfachen Hostel und zogen dann in ein schönes Boutique-Hotel um, das in einem alten jüdischen Kaufmannshaus untergebracht ist. Wir schlenderten durch die Gassen der Stadt, besuchten Moscheen, Medressen und Markthallen, sassen in Cafés rum, tranken Tee und spielten Yatzy und amüsierten uns ab den Touristengruppen. Das Wetter war gut und die Temperaturen sehr angenehm.

 

Zum Schluss besuchten wir Samarkand. Die Stadt lag früher an einer wichtigen Kreuzung der Seidenstrasse, die von hier nach China, Indien und Persien führte und der Stadt viel Reichtum brachte. Alexander der Grosse soll 329 v.Chr. folgendes über die Stadt gesagt haben: Alles was ich von Markanda gehört habe ist wahr, aber die Stadt ist noch viel schöner, als ich es mir je hätte vorstellen können. Auch heute noch zeugen die zahlreichen Bauwerke von Grossem. Am Registan (übersetzt „sandiger Platz“) steht ein Ensemble aus drei Medressen, allesamt mit wunderschönen blauen Mosaiken verziert. Bei allen Bauwerken im ganzen Land hat uns beeindruckt, wie die verschiedenen Mosaike sich zu einem ganzheitlichen Bild vereinen. Wir besuchen die wunderschöne goldige Moschee in der Tilla-Kari Medresse und den schönen Vorlesungssaal in der Ulugbek Medresse. Weitere Sehenswürdigkeiten sind die Bibi-Khanym-Moschee und Shah-i-Zinda – eine Strasse mit Mausoleen wichtiger Leute aus dem 14. Jahrhundert. Auch Qusam inb-Abbas, der Cousin Mohammed’s und der Mann, der den Islam in diese Region gebracht haben soll, ist hier begraben.

 

Nach 16 Tagen nehmen wir morgen Abschied von Uzbekistan und besuchen unser letztes Land – Griechenland. Wir hatten in Uzbekistan auch viel Zeit, diverses zu organisieren. Wir haben einen Mietvertrag für eine Wohnung in der Aarauer Altstadt unterschrieben und freuen uns riesig, schon bald einzuziehen. In zwei Wochen landen wir in Zürich, wir freuen uns darauf.

2 Comments

  • Angelo 4. Oktober 2018 at 16:35

    Unglaublich was Ihr auf Eurer langen Reise insgesamt alles gesehen und berichtet habt! Eindrücke und Erfahrungen die wahrscheinlich nicht viele Menschen auf dieser Welt haben.
    Liebe Grüsse und demnächst herzlich willkommen zurück in der Schweiz.
    Angelo

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    • André Maurer 5. Oktober 2018 at 8:42

      Vielen Dank. Ja es ist unglaublich was wir alles erleben durften. Wir sind extrem dankbar, dass wir diese einmalige Reise machen konnten. Liebe Grüsse

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